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Die zwölf Stunden

[9.12] Und wenn die Kommissäre nichts gefunden haben, so werden sie bei ihrer Rückkunft ebenfalls tüchtig durchgeprügelt, und auf drei Jahre ihres Dienstes entlassen, binnen welcher Zeit sie dann wieder über Hals und Kopf studieren müssen, und zwar unter den allerrigorosesten Professoren von der Welt.

[9.13] Nach beendeter Studienzeit erfolgt dann eine außerordentlich strenge Prüfung. Wer die Prüfung besteht, wird wiedereingestellt, wer sie aber nicht besteht, der wird abermals geprügelt, und muss die Studien wieder von vorne anfangen.

[9.14] Während der Zeit aber solche Kommissarien wieder ihre Strafstudien durchmachen müssen, werden sogleich Stellvertreter allergnädigst ernannt.

[9.15] Diese Ernennung geschieht auf folgende Weise: Es werden nämlich neun sogenannte Praktikanten von seiner gerechtesten und allergestrengsten Majestät vorgerufen, und von derselben mündlich geprüft.

[9.16] Diese Prüfung besteht darin, dass sie fürs Erste alle Fabrikationen des Landes aufzählen müssen, und wie diese bereitet werden. Dann müssen sie alle Berge, alle Flüsse, alle Täler und Ebenen, alle Tiere, seien es zahme oder wilde, alle Bäume, Pflanzen und Kräuter buchstäblich benennen und aufzählen. Ferner müssen sie die Namen von allen Untertanen genau angeben, und wo jeder sich befindet, und was er besitzt.

[9.17] Und schließlich müssen sie noch den ganzen Namen des Kaisers aussagen, was eigentlich das Allerschwerste für die Praktikanten ist. Denn dieser Name ist so lang, dass ihr denselben nach einer mittelmäßig großen Schrift auf einen wenigstens eine Meile langen Papierstreifen mit einer Zeile kaum aufschreiben würdet, und enthält alles, als da ist die eingebildete unendlich lange Stammlinie, dann alle Dinge und Gewerbe des Landes, und so auch die Namen von allen seinen Untertanen.

[9.18] Wenn ihr nun das bedenkt, so werdet ihr wohl einsehen, welche Anstrengung des Gedächtnisses dazu erfordert wird, um sich diesen Namen, wie ihr zu sagen pflegt, auswendig zu merken. Ihr werdet nun fragen, wozu ein so langer Name?

[9.19] Dieses kann euch sehr leicht begreiflich erörtert werden, weil er, der Monarch nämlich, darinnen seine ganze Herrlichkeit, Geschichte und Besitztum aufgezeichnet hat.

[9.20] Es haben zwar auch andere Personen im Land sehr lange Namen; aber länger darf bei Strafe des Todes keiner sein als der des Monarchen.

[9.21] Daher wird auch in dieser Hinsicht sehr viel Studium auf den Namen des Monarchen gesetzt, damit sie ihre eigenen Namen mit dem Namen des Monarchen der Länge nach vergleichen können.

[9.22] Und wenn da jemand wegen ebenfalls sehr alter Herkunft findet, dass sein Name noch länger ist als der des Monarchen, so nimmt er das Namensprotokoll, und trägt es heulend mit zerrissenem Gewand hin vor den Monarchen, und bittet um die Strafe und um die gänzliche Vernichtung seines Namens.

[9.23] Und wenn der Monarch den Namen mit einem Zirkel ausgemessen und gefunden hat, dass er wirklich noch um zwei Klaftern länger ist, so werden sechs Klaftern von dem Namen abgestochen und verbrannt. Dem Bittsteller wird dann allergnädigst die gehörige Anzahl Prügel verabfolgt, und sonach ihm erst der verkürzte Name überreicht.

[9.24] Und nun gehen wir wieder auf unsere Praktikanten zurück. Haben drei oder vier die Prüfung bestanden, so wird ihnen sogleich auch nach eurer Sprache das Anstellungsdekret überreicht, und mit dieser Überreichung aber auch sogleich die Pflicht, sich als Kommissarien an Ort und Stelle zu begeben, um den früher besprochenen Landesverrat zu entdecken, auferlegt.

[9.25] Diese aber sind dann gewöhnlich um ein Haar klüger als die früheren; sie verweilen bei dieser Untersuchung gewöhnlich 1, 2 bis 3 Jahre, und sinnen während dieser Zeit auf eine kluge Finte, um ihren Monarchen zu übertölpeln, und wenn sie da zurückkehren, bringen sie gewöhnlich mehrere bestochene Zeugen mit, welche dann aussagen, dass nach diesem schauerlichen Ereignis der Blitz noch dreimal in die Stelle einschlug, und dass darauf alle Anwesenden den großen Gott in der Sonne gepriesen haben, dass er ein so großes Zeichen zur Verherrlichung des großen Fürsten vor dessen Volk getan hat.

[9.26] Jetzt werdet ihr vielleicht fragen, warum waren denn die ersten drei nicht so pfiffig als die Nachfolger?

[9.27] Und ihr werdet euch wundern, wenn Ich euch sage, dass die ersten drei noch pfiffiger waren als ihre Nachfolger; denn sie werden nun alsogleich von ihren Studien befreit, und als vollkommen rechtliche, gestrenge und wohlwissenschaftliche Staatsmänner von dem Monarchen mit eigenem Mund anerkannt, und gelangen auf diese Art zur höchsten Würde, vermöge welcher ihnen sogar gestattet wird, viermal im Jahr das Kleid des Monarchen anrühren zu dürfen, und sind dadurch von aller ferneren Prügelei exemt (befreit, d. Ed.). Denn wenn sie auch den Tatbestand nicht so erhoben haben wie ihre Nachfolger, so macht das nichts, sondern hier gibt einzig und allein die große Treue den Ausschlag.

[9.28] Die Nachfolger aber kommen dann als wirklich angestellte Staatsbeamte auf die Stufe ihrer Vorgänger. Ihr müsst euch nicht etwa denken, das sei dort zu Lande etwas Unbedeutendes.

[9.29] Ein Beamter, der viermal im Jahr das Kleid des Monarchen berühren darf, ist etwas so Außerordentliches im Land, dass, so er auf der Straße wandelt, oder in einer Sänfte getragen wird, alles Volk bei Strafe des Lebens auf das Angesicht vor ihm niederfallen muss; und ein Wort von ihm zu jemanden gesprochen ist etwas so Außerordentliches, dass der Betreffende oft drei Tage lang die Stelle nicht verlässt, wo ihm eine solche Gnade zuteil geworden ist.

[9.30] Und ist das Wort ein ungünstiges gewesen, hat der Beamte dem Betreffenden etwa einen Verweis oder eine andere Unannehmlichkeit, als etwa einen Tiernamen oder eine sonstige unehrbare Sache, zugesprochen, so fängt der Betreffende augenblicklich an zu heulen und zu wehklagen, und bittet den hohen Beamten um eine gnädigste Strafverleihung, welche ihm auch ohne viel Umstände bewilligt wird.

[9.31] Und sofort setzt er seine Bitte an den hohen Staatsmann, dass derselbe ihm die Strafe ja nicht zu glimpflich verhängen solle, sondern ihn nach seiner Strenge, Gerechtigkeit und Lust möchte vollprügeln lassen.

[9.32] Wenn dann der Staatsbeamte solche Bitte in sein allergnädigst geneigtes Ohr vernommen hat, so befiehlt er alsogleich seiner sehr reichlichen Dienerschaft, den betreffenden Supplikanten an den Händen und Füßen zu erfassen, ihn von der Erde zu heben; und wenn dieser sich hernach in der Mitte von acht Dienern in der Luft schwebend befindet, so kommt dann der Prügelmann mit der Bambusknute, und prügelt diesen Supplikanten so lange, bis der hohe Staatsbeamte ihm ein Zeichen gibt, dass mit diesem Streich seine Gnade zu Ende ist.

[9.33] Sodann wird der Supplikant, halb zu Tode geprügelt, wieder auf die Erde niedergelegt, und seine Nachbarn kommen hinzu, und preisen um den Geprügelten die hohe Weisheit, Gerechtigkeit und Strenge des Beamten.

[9.34] Ihr werdet vielleicht auch von dem Volk dafür dem Monarchen einen Preis darzubringen (zu sehen, d. Ed.) wünschen. Allein solches geht in diesem Land nicht, denn alldort steht der Monarch zu hoch, als dass er dürfte von dem gemeinen Volk gepriesen werden.

[9.35] Solches und noch einiges dergleichen ist eigentlich der beste Teil dieser Verfassung; wenn wir solchen haben kennen gelernt, so ist es auch füglich, dass wir den schlimmen Teil ein wenig beleuchten.

[9.36] In dieser Hinsicht geht es hier wahrlich wie nirgends anders in der Welt zu. Fürs Erste hat in diesem Land niemand ein Eigentum, sondern alles ist ein ausschließendes Eigentum des Monarchen.

[9.37] Jedem Menschen oder vielmehr jeder Klasse ist genau vorgeschrieben, was er und wie viel er arbeiten muss.

[9.38] Es ist ihm vorgeschrieben die Kost, wie auch die Kleidung; es ist ihm vorgeschrieben die Wohnung und der Bezirk, aus dem er sich außer einem besondern Staatsbefehle nie entfernen darf.

[9.39] Ferner ist ihm vorgeschrieben, wie viel Weiber er haben und wie viel Kinder er mit seinen Weibern zeugen darf.

[9.40] Es ist ihm vorgeschrieben, was er von dem Erzeugten beim letzten Tropfen des Gesetzes abzuliefern hat.

[9.41] Den Bewohnern der Küste ist auf das Strengste vorgeschrieben, außer dem bestimmten Handelsplatz für Fremde nichts hintan zu geben. Es ist ihnen vorgeschrieben, einen Fremden außer dem bestimmten Platz, unter was für immer einer Bedingung, nie das japanische Land betreten zu lassen.

[9.42] Und so sind auch alle Handelsartikel genau vorgeschrieben, was da an Fremde darf hintan gegeben werden, und was die Fremden dafür bieten dürfen; und ist ihnen ferner noch auf das Strengste vorgeschrieben, dass von den Fremden nie mehr als einer in dem Ort als Dolmetsch verbleiben darf, welcher aber von dem Augenblick, da er als solcher angenommen wurde, sich nie mehr von der Küste entfernen darf.

[9.43] Er muss seine Sprache noch obendrauf dreien japanesischen Kommissären beibringen, und darf aber dessen ungeachtet sich nie auch nur eine Stunde Weges in das Innere des Landes begeben.

[9.44] Seht, das ist ungefähr der Auszug der japanesischen Verfassung. Ich sage: ungefähr, weil dieses Land durchaus kein sogenanntes bestehendes Staatsgesetz hat, sondern das lebendige Staatsgesetz ist der jewaige bestehende Fürst und seine obersten Staatsbeamten, und es liegt beinahe ganz in ihrer freien Willkür, für jeden vorkommenden Fall alsogleich ein neues Gesetz zu kreieren.

[9.45] Denn ihr könnet euch wahrlich keinen Begriff machen, nach welchem kleinlichen Umstand alldort das Gesetz eine ganz andere Strafe über irgendein Verbrechen verhängt. Ich will euch nur ein einziges kleines Beispiel anführen. Es ist jemandem sein Bezirk ausgemessen angewiesen, außerhalb dessen er sich nicht bewegen darf.

[9.46] Jemand hat sich die Grenze nicht genau gemerkt, und nur einen halben Fuß über den Faden gesetzt. Wenn solches sein Nachbar bemerkt, so meldet er es wieder seinem nächsten Nachbar, und dieser wieder seinem nächsten, bis es dann an die Wohnung des sogenannten Bezirkswächters gelangt.

[9.47] Dieser begibt sich dann mit einem Zirkel sobald an Ort und Stelle, und bemisst genau den Übertritt. Ist der Übertritt etwas über den halben Fuß, so sind dafür sofort 100 Prügel als Strafe dem Übertreter zu verabfolgen.

[9.48] Wenn aber der Bezirkswächter befunden hat, dass wenigstens ¾ des Fußes über die Linie gesetzt worden sind, so erhöht dieser Umstand die Strafe beinahe ums Doppelte.

[9.49] Wenn aber jemand den ganzen Fuß über die Grenze gesetzt hat, so bekommt er fürs Erste eine ungezählte Masse Prügel, und dann wird er erst durch drei Tage an einen Pfahl gebunden, um daselbst sich die engste Grenze anzugewöhnen.

[9.50] Wenn ein solcher Fall siebenmal vorkommt, so wird ihm alsobald der Fuß, so weit er denselben außer der Grenze gesetzt hat, abgehauen.

[9.51] Wer aber ohne gerichtliche Erlaubnis sich unterfangen hätte, nur einige Schritte außer seinem Grenzbezirk zu tun, der wird entweder im Wege der Gnade aufgehängt, oder zu Tode geprügelt. Und geht es nicht auf dem Wege der Gnade, so wird er nackt auf ein Kreuz gebunden, und da so lange oben gelassen, bis er gestorben ist; jedoch steht ihm selbst am Kreuz noch vermöge gewaltiger Bitte die Gnade offen, durch einen Lanzenstich getötet zu werden.

[9.52] Seht, aus diesem kleinen Beispiel könnet ihr euch schon einen Begriff machen, wie es in diesem Land aussieht; und es ist die Einrichtung so getroffen, dass außer den bekannten hohen Staatsbeamten niemand von der Todesstrafe ausgenommen ist.

[9.53] Und so treibt hier gewisserart ein Keil den andern. Nie wird man einen Fall erleben, dass ein unterer Beamter wegen allfälliger Grausamkeit zur Verantwortung und Strafe gezogen wird; wohl aber, wenn er sich nur im Geringsten irgendwo eine Fahrlässigkeit erwiesenermaßen hat zu Schulden werden lassen.

[9.54] Daher bildet dort der Zirkel und die Waage den Hauptteil der Staatsverfassung; denn da wird alles abgezirkelt und abgewogen.

[9.55] Wenn ihr euch nun denkt, dass bei allen diesen ungefähr bekannt gegebenen Grundvorschriften die Todesstrafe mit allerlei Martervariationen die Hauptrolle spielt, so wird es auch nicht schwer werden, euch einen ziemlichen Begriff zu machen, wie es in einem Land zugeht, wo die Despotie den höchsten Gipfel der Tyrannei erklommen hat.

[9.56] Denn wahrlich, es dürfte auf der Erdoberfläche kaum ein zweites Land geben, das diesem in seiner willkürlichen grausamen Unart gliche.

[9.57] Nun habe Ich euch von diesem Land auch für euch genügend den schlimmen Teil bekannt gegeben. Es gibt aber noch einen schlimmsten. Ihr werdet jetzt freilich denken, kann’s denn in einem Land etwas Ärgeres geben, als wir schon vernommen haben? — Hier sage Ich euch für den Augenblick nichts, sondern bescheide euch bloß, einen Blick auf Meine Tafel zu machen.

[9.58] Seht daher, dieses Gebäude ist ein Tempel! Ich sage auch zu diesem Tempel: Epheta! — Und nun blickt hinein. Seht, wie da in einer seitwärts abgelegenen runden Zelle mehrere Mädchen und Jünglinge gefüttert werden, damit sie schön und recht fett werden sollen. Seht, die zwischen ihnen in gelben und blauen Kleidern sitzenden Männer sind die Opferpriester.

[9.59] Wenn ein Missjahr dieses Land heimsucht, so wird dann sogleich gepredigt, dass sich Gott erzürnt habe über dieses Land, und daher muss ihm, um ihn zu begüten, ein Opfer gebracht werden.

[9.60] Und sobald werden auf Befehl des Oberpriesters sechs männliche und sechs weibliche Individuen aus dieser Zelle gewaschen und nach ihrer Art gar zierlich angelegt, und sodann stellt sich ein Priester auf einen sogenannten Weisheitsstuhl; von diesem bestimmt er dann mit zornigen Worten, gleichsam als spräche die erzürnte Gottheit aus ihm, wie derselben sollte das Opfer dargebracht werden.

[9.61] Sind die Mädchen sehr schön und üppig geworden durch diese Fütterung, dann verschmäht die Gottheit die Opferung derselben, und gibt sie zum lebenslänglichen Eigentum seinen Priestern zurück.

[9.62] Aber mit den Jünglingen, wenn einer nicht von gar ausnehmender Schönheit ist, geht die erzürnte Gottheit nicht so schonend zu Werke, sondern sie werden gewöhnlich zur Opferung bestimmt, welche darin besteht, dass sie entweder bei lebendigem Leib verbrannt, oder früher enthauptet und dann erst verbrannt werden, oder sie werden auf einen Felsen, der irgend ins Meer hinausragt, geführt, und von da ins Meer geworfen.

[9.63] Freilich geschieht solche Menschenopferung nur selten; aber genug, wenn sie irgend noch vorkommt, so ist ein solches Land schon dessentwegen in der allertiefsten Finsternis, und hat von einem wahren Gott die schändlichsten und elendsten Begriffe.

[9.64] Zu diesem Allerschlimmsten gehört auch die Ermordung überzähliger Kinder; und derjenige, der über die Zahl Kinder gezeugt hat, wird an seinen Geschlechtsteilen verstümmelt.

[9.65] Ferner gehört zu dem Allerschlimmsten auch das, dass in diesem Land gegen das Eindringen des Christentums mit unerhörter Grausamkeit verfahren wird.

[9.66] Denn in dieses Land darf sich nicht einmal ein mit aller Wundertätigkeit ausgerüsteter Wiedergeborener wagen; denn er wird sofort als Fremdling, Unheilbringer und Aufwiegler des Volkes mit der grausamsten Todesart bestraft.

[9.67] Es hat auch wirklich schon Fälle gegeben, dass Christenboten daselbst durch die verschiedensten Todesarten gehend von Mir am Leben erhalten wurden; allein diese Unmenschen haben das alles für null und nichtig betrachtet, und haben an solchen Christenboten unersättlich alle erdenklichen Todesarten versucht, bis nach Meiner Ordnung die Zahl voll war, und Ich Meinen Abgesandten abrufen musste, um nicht noch längere Zeit das Heiligtum solcher namenlosen Verachtung preisgegeben zu sehen.

[9.68] Aber nun merkt euch dieses: Nicht ferne mehr ist der vernichtende Moment dieses Freisitzes des Satans; wenn ihr hören werdet, dass diese Monarchie preisgegeben wird fremden Völkern, so denkt, dass da das Ende der Dinge nicht ferne sei.

[9.69] Seht, in diesem äußersten Morgenland gibt es noch manche Völkerschaften, die von Mir nichts wissen wollen; allein, Ich werde ferner wenig Boten mehr dahin senden, sondern Boten Meines nahen Gerichtes; und es wird sein wie mit einem Fruchtbaum im Herbst, da das unreife Obst mit dem reifen herabgenommen wird.

[9.70] Das reife wird aufbewahrt für die Tafel des Herrn, das unreife aber auf die Kelter geworfen, und allda zerstoßen, und wird der wenige Saft noch genommen zur Säuerung, die Trebern aber werden vorgeworfen den Schweinen; und es wird da sein wie bei einem Hausvater, auf dessen Acker der Weizen reif geworden ist.

[9.71] Wahrlich, es wird da nicht geschaut auf die Reife des Unkrauts, sondern dieses wird mit dem Weizen vom Acker genommen werden; dann aber wird es geschieden werden durch die Diener vom Weizen.

[9.72] Diese werden es in Bündel zusammenbinden und vertrocknen lassen auf dem offenen Feld, und werden es dann anzünden und verbrennen bis auf den Grund, damit aller Same des Unkrauts vernichtet werde; Meinen Weizen aber werden sie bringen in die Scheuern des ewigen Lebens.

[9.73] Seht, daher sollt ihr euch auch nicht daran stoßen, wenn ihr auf der Erde noch so viel unreifes Obst und so viel Unkraut unter dem Weizen findet.

[9.74] Denkt nicht, dass Ich darob Meinen Tag verzögern werde, sondern wahrlich sage Ich euch: Nur beschleunigen will Ich ihn, der Auserwählten willen; denn wenn zur Zeit dieser letzten vorbestimmten Trübsale diese Tage nicht möchten verkürzt werden, wahrlich, selbst die Lebendigen verlören das Leben!

[9.75] Daher seid unbesorgt, und benützt diese Mitteilung nicht zu sehr als buchstäbliche Anschauung der unratübervollen Welt, sondern benützt sie vielmehr zur eigenen innern Anschauung; denn darum gebe Ich solches euch, dass ihr die Welt in euch erkennen, sie verachten und aus Liebe zu Mir fliehen sollt.

[9.76] Doch erst am Schluss der letzten Stunde will Ich euch die Decke von den Augen ziehen, wo ihr dann vollends ersehen werdet, wohinaus Ich mit diesen zwölf Stunden eigentlich will. Amen.

Der folgende Nachtrag findet sich nicht in der Erstausgabe, sondern wurde von der dritten Auflage (1895) übernommen.

Noch etwas über Japan, als Nachtrag zur neunten Stunde.

[9.77] Japan besteht aus den Inseln: 1. Sachalin (heute zu Russland gehörend, d. Ed.), 2. Jesso (Hokkaidō, d. Ed.), 3. Niphon oder Nypon (Honshū, d. Ed.), 4. Xikoko oder Likok (Shikoku, d. Ed.), 5. Kinsin oder Ximo (Kyūshū, d. Ed.), und ist das bevölkertste Land auf der Erde.

[9.78] Der Flächenraum beträgt kaum so viel als der von Großbritannien. Die (heutigen) Japaner bestehen nur aus Mongolen, Malayen und einigen wenigen Ureinwohnern, sie sind durchaus nicht verwandt mit den Chinesen, und übertreffen diese in allem, sowohl in der Bildung — als in der Grausamkeit.

[9.79] Was auch sehr viel dazu beiträgt, dass sie in den verschiedensten Wissenschaften die Chinesen bei weitem überragen, ist das, dass sie in ihrer Sprache nur 48 einfache Buchstaben haben, wogegen die Chinesen bei 50 000. Ihre Sprache ist sehr weich und biegsam; ihre Religion ein raffiniertes Heidentum; ihre Gesetze im höchsten Grad tyrannisch.

[9.80] Es gibt zehn sogenannte Kasten unter den Bewohnern, für jede (Kaste) sind einige feste unabänderliche und dazu noch willkürliche, abänderliche Gesetze.

[9.81] Jedem ist sein Bezirk streng zugewiesen, von dem er sich vor der Freigabe nicht entfernen darf; die Freigabe besteht in einer Art Arbeits-Vakanz.

[9.82] Die vorzüglichsten Ortschaften sind: Jeddo-Edo (Tokio, d. Ed.), am Fluss Tonkai mit 280 000 Häusern, und über einer Million Einwohner (anno 1841); das ist zugleich beinahe die volkreichste Stadt auf der Erde (anno 1841). Rio oder Miako (Kyōto, d. Ed.) mit 140 000 Häusern und mit fast einer Million Einwohner; Nagasake (Nagasaki, d. Ed.), eine Hafenstadt, mit 10 000 Häusern und gegen 100 000 Einwohnern; Mastmai oder Matsumai (Matsumae, d. Ed.) mit 6 000 Häusern und 60 000 Einwohnern.

[9.83] Die nördlichste Spitze der Insel Sachalin heißt von Engländern Kap Elisabeth, in der westlichen Hälfte dieser Insel ist das Kap Patience. Diese nördlichste und auch ärmste Insel wird durch die Straße La Peyrouse von der Insel Jesso getrennt.

[9.84] Auf der Insel Jessos südöstlicher Spitze liegt die Stadt Mastmai oder Matsumai. Die Insel wird durch die Straße Sangar (Tsugaru-Straße, d. Ed.) von der Insel Niphon oder Nipon getrennt. Diese mittlere und größte Insel ist zugleich die Residenz-Insel.

[9.85] Auf ihr befindet sich ein großer Hafen mit dem Namen Namba ohne Stadtrecht; dann die Residenzstadt Jeddo oder Edo (jetzt Tokio) mit einem großen Hafen, welcher geschützt wird durch das schauerliche Kap Ring; dann die Gebirgsstadt Rio oder Miako, als die größte Fabrikstadt der Japanesen; diese Insel ist zugleich die allergebirgigste, wie die nördlichste Insel Sachalin — die am meisten vulkanische.

[9.86] Die Insel Xikoko ist sozusagen fast nur ein Berg aus dem Meer, und daher auch wenig bevölkert. Jedoch die Insel Kinsin mit der Hafenstadt Nagasaki ist dafür wieder übervölkert, diese Insel hat die strengsten Gesetze, und ist allein den Niederländern zugänglich, und das nur auf dem vor Nagasaki liegenden Inselchen unter dem Namen Guelport, der von den vertriebenen schlechten Portugiesen und Spaniern abstammt.

[9.87] Über der nordwestlichen Hälfte der Insel Nipon befindet sich noch eine etwas bedeutende Insel Sado, als Zufluchtsort der Ureinwohner, welche hier einige Vorrechte genießen; auch haben sich einige Portugiesen auf diese Insel verkrochen; jedoch dürfen sie sich nimmer entfernen, und müssen alles Japanesische und den Vollmond anbeten.

[9.88] Die ganze Bevölkerung Japans beträgt bei 40 Millionen Menschen, vier Siebtel davon ist weiblich. Außer der Mechanik, Mathematik, Nautik, Geographie und Astronomie sind sie in aller Industrie den Völkern der Erde vor, und sind im Besitz von großen Reichtümern und manchen Geheimnissen.

[9.89] Die Sadoer besitzen noch hie und da das zweite Gesicht, und haben noch Wissenschaft aus den Urzeiten des Meduhed.

[9.90] Ihre Zahl beträgt 3 Millionen Menschen ohne die Portugiesen, deren Zahl nur einige Tausende ausmacht. Dieses alles diene euch zur genaueren Übersicht dieses Landes, und kann in der „Neunten Stunde“ beigefügt werden. Amen!

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