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[FL 11.47] Sie behielt es durch ihre große Thätigkeit, denn „das Leben will geübt sein“; sie behielt es ferner durch ihre große Demuth, denn das Leben will „gesammelt“ sein; sie behielt, es durch die blindeste Unterwerfung in Meinen richtenden Willen (also durch vollkommenen Gehorsam), denn alles Leben muß „gerichtet“ werden, wenn es sich dereinst gewisserart selbst finden, und sich selbst bewußt erkennen soll.

[FL 11.48] Wenn ihr nun diese Punkte betrachtet, und betrachtet die Gesetze, welche von Mir aus an euch ergangen sind, für die ewige Erhaltung des Lebens, und vergleichet dieses Alles wohl mit einander, stets vor Augen habend, was der Sieg ist, so werdet ihr doch auch endlich einmal erkennen, was da gemeint ist unter den Anfangsstrophen der Fliege, allda es lautet: „Die Fliege, die Fliege, die singt euch vom Siege.“

[FL 11.49] Denn dieses schon vor längerer Zeit euch gegebene Liedchen, aus wenig Strofen bestehend, kann vom Anfange bis zum Ende nur als eine Anfangsstrofe zu diesem euch nun gegebenen großen Liede betrachtet werden; da ihr in diesem großen Liede erst das eigentliche Siegeslied der Fliege erkennet; und da wir nun den Sieg erkannt haben, so lasset uns bei sich selbst diesen Sieg erschauen und wohl beachten, damit wir dadurch fähiger und fähiger werden, uns gegenseitig stets mehr und mehr näher zu kommen, und also den endlichen allergrößten Sieg zu erfahren an sich, welcher Sieg da ist: die Wiedervereinigung jedes einzelnen Lebens mit Meinem urewigen Leben.

[FL 11.50] Wie aber solches ohne die allergeringste Beeinträchtigung vor sich gehen wird, wodurch jedes Leben sich selbstständig bleibt ewiglich, ungeachtet es mit dem Urleben in der innigsten Verbindung stehet, darüber solle uns in der nächsten und letzten Mittheilung die Fliege noch ein kleines Liedchen singen.

[FL 12.1] Was unter dieser Beeinträchtigung verstanden wird, habet ihr zwar schon im Verlaufe dieser Mittheilung zur Genüge gehöret; ja nicht nur im Verlaufe dieser, sondern mehrerer anderer Mittheilungen habt ihr es schon zum öftern Male empfangen, wie man dessen ungeachtet für sich allein dastehen kann, wenn man sich auch in seinem Herzen auf das Innigste vereinigt mit seinem Schöpfer; so ist es aber auch dessen ungeachtet noch immer dunkel um's Gefühl, und der Glaube hat noch ein hartes Feld, und die Seele nimmt es schwer auf, wie der Mensch im Geiste ein vollkommen freies, selbstständiges Leben haben könne, welches aber doch also gebunden ist mit dem Urleben des Schöpfers, daß es mit diesem vollkommen nur ein Leben ausmacht.

[FL 12.2] Ja, wahrlich, solches in der irdischen Beschränktheit zu erfassen, ist wohl außerordentlich schwer, und Ich sage euch, wer es nicht lernet von dem bescheidenen Liedchen der Fliege, oder nun noch deutlicher gesprochen, wer es nicht lernet aus der wahren, allerinnersten Demuth auf dem Wege des Kreuzes, ja noch deutlicher und heller gesprochen, wer es nicht lernet von Mir, dem Vater, der Ich die allerhöchste und allerinnerste Demuth Selbst bin, der wird es nicht begreifen, und sicher auch zu häufigen Malen ewig nimmerdar verstehen, nehmlich wie Vater und Kinder vollkommen Eins sein können.

[FL 12.3] Damit ihr euch aber davon eine gegründete Vorstellung machen könnet, so wollen wir die Blicke noch auf zwei große Dinge richten, nehmlich auf einen großen Menschen, der da heißt „Welt“, und auf einen andern großen Menschen, der da heißet der „Himmel“. (12. Stunde, Nr. 22.)

[FL 12.4] In Hinsicht auf diesen ersten Menschen in formell-materieller Hinsicht betrachtet, sind ganze Hülsengloben voll Sonnen und Welten kaum Nervenwärzchen seines Wesens zu nennen; und so dieser Mensch auch in dieser seiner Größe sich vollkommen als ein Leben ansieht, wie ihr euch als ein Leben ansehet, bestehet er darum wirklich nur aus einem Leben?

[FL 12.5] Ich meine, um das einzusehen, daß dieser große Weltmensch ein gar vielfaches Leben lebt, brauche es weiter gar nichts, als nur einen Schwarm Fliegen anzusehen, und sie werden es durch ihr Gesumse kundgeben, daß sie schon sogar als erste Thierleins für sich ein abgeschlossenes Leben haben; um wie viel mehr muß der Mensch für sich dasselbe bekennen, und noch mehr eine ganze Erde voll Völker und anderer lebender Wesen zahlloser Arten und noch bei weitem vielmehr eine Sonne mit ihren vollendeten Wesen, und noch bei weitem vielmehr eine Centralsonne um die andere, mit ihren allervollkommensten und allermächtigsten Geistern, und noch mehr eine abgeschlossene Hülsenglobe für sich, die doch ein nahe endloser Inhalt ist, sogar schon von zahllosen Weltkörpern, geschweige erst von den Wesen auf denselben.

[FL 12.6] Und doch sind all' diese Hülsengloben, alle Centralsonnen, alle Nachcentralsonnen, alle Planetarsonnen und alle andern Nebensonnen mit ihren Planeten, und all' den Wesen auf denselben nichts als in eigentlichster Hinsicht betrachtet, Körpertheile dieses großen Weltmenschen, der für sich ein so gut abgeschlossenes Leben hat, als jeder Mensch von euch auf der Erde und samt dieser in diesem großen Weltmenschen.

[FL 12.8] Nun lenken wir unsern Blick auf den Himmels-Menschen, gegen dessen Größe sich dieser vorhin ausgesprochene große Weltmensch gerade so verhält, wie ein trillionster Theil eines Atoms gegen die Größe des vorbekannten Weltmenschen.

[FL 12.9] Ja, der Himmel in seiner menschlichen Hinsicht ist also groß, daß alle die zahllosen Milliarden der Hülsengloben, aus denen dieser große Weltmensch besteht, sehr bequem in dem Rohre eines Härchens auf seinem Leibe Platz hätten, so zwar, daß sie alle ihre Bewegungen in selbem machen könnten, ohne nur je die Wände dieses Haarröhrchens zu berühren.

[FL 12.10] Nun denket euch, wie viel Leben hat nun dieser Himmelsmensch schon in einem Haarröhrchen, oder wenigstens in einem dem Haarröhrchen entsprechenden andern Leibestheile, und wie viel Leben muß er erst dann in einem Gliede haben, wie viel in seinem Herzen erst, und wie viel in seinem ganzen Leibeswesen, und doch denkt dieser ganze Himmelsmensch für sich nur als ein einfacher für sich allein bestehender Mensch; während doch in ihm zahllose Milliarden und Milliarden von den allervollkommensten Engeln und Geistern alle also abgeschlossen für sich denken und leben, wie der große Himmelsmensch.

[FL 12.11] Ja, in diesem Himmelsmenschen gibt es noch andere Verhältnisse, durch welche vollkommen gleichdenkende und gleichliebende Wesen einen Verein bilden, der für sich genommen, entsprechend einem irdischen Weltkörper oder wenigstens einem Theile desselben, vollkommen einen Menschen darstellet, welcher wieder auch ganz vollkommen für sich denken und fühlen kann, also als wäre er nur ein einzeln für sich dastehender Mensch.

[FL 12.12] Ja, Ich sage Euch noch hinzu: Es gibt in Meiner Unendlichkeit sogar mehrere solche Himmel, und jeder Himmel ist für sich ein vollkommener Mensch, und alle die Himmel bilden erst zusammengenommen wieder Einen also unendlichen Menschen, welcher von Niemanden gedacht und empfunden werden kann, denn allein von Mir, da er eigentlich Mein Leib selbst ist, oder der Gott in Seiner Unendlichkeit, der da Seine Selbst- und Alleinheit gewiß auf das Allerbestimmteste und Allerklarste denkt und fühlt, und doch welche Vielheit des Lebens in Ihm! —

[FL 12.13] Wenn Ihr diese zwei Bilder nun nur ein wenig vergleichet, und dann im Geiste durchgehet, so wird es euch ja doch nimmer entgehen können, daß in einem ewigen und unendlichen Leben sich zahllose Leben frei bewegen können, und genießen da die allerhöchsten Wonnen des Lebens vollkommen, während sie doch nur Theile des einen Hauptlebens in Gott sind.

[FL 12.14] Sehet, solches singt also die Fliege in der Demuth; und die Demuth ist die eigentliche wahre Hauptfliege des Menschen selbst; denn wie die Fliege im Welttheile anfängt, in sich den Sieg über das Leben zu gewinnen, also fängt auch die Demuth im Menschen an, auf dieselbe Weise das allerfreieste Leben aus Gott aufzunehmen, und es einzuschließen in sich, und dann durch ihre Beharrlichkeit und durch ihren Muth groß und stark zu ziehen in sich dieses ewige Heiligthum, welches da ist „der lebendige Christus“ in einem jeden wahren Menschen; und wenn dessen Leben übergegangen ist in alle Theile der Seele, und durch die Seele auch in den fleischlichen Leib, so ist dann solche Erscheinlichkeit ja doch ein Sieg, ja wahrlich, der allerhöchste Sieg, welchen je ein Mensch sich erkämpfen konnte; denn durch diesen Sieg hat er ja in sich das allerhöchste Leben Gottes gefangen genommen, hat es sich zu eigen gemacht durch die Liebe, und wurde nun Eins mit dem ewigen Gott, dem Vater aller Liebe.

[FL 12.16] Wollet ihr aber die Fliege, die euch da singet von diesem Siege, recht verstehen, da fraget die eigene, wahre Fliege in euch, welche da ist die wahre Demuth, und diese wird euch die große Antwort geben: Ja, durch sie werdet ihr es empfangen, was da ist ein rechter, wahrer Sieg.

[FL 12.18] Wer aber da will die Geheimnisse des Lebens etwa gar durch seinen Weltverstand ermitteln, der wird wohl nimmer dieselben irgend finden, sondern wird durch den Verstand noch das wenige Leben verlieren, das er sich ehedem in seiner Kindheit erwirthschaftet hatte; denn wahrlich, sage Ich euch: Wer solches innere Wort, wenn es sich kund gibt, entweder in eines jeden besser gesinnten Menschen Herzen durch mahnendes Gewissen, oder als vernehmliches Wort durch den Mund eines Geweckten, nicht kindlich einfältig-frommen Sinnes glaubet, und dann aber nicht nur ein bloßer Hörer solches Wortes verbleibet, und sich höchstens bloß verwundert, bald über dieses, bald über jenes, was darinnen vorkommt, sondern wird ein Thäter desselben, da sage Ich euch noch einmal: „Wahrlich, wahrlich, es wird das Hören und Sehen Niemanden in den Himmel bringen, sondern allein das Thun!“

[FL 12.21] Was sind aber die ersten Kennzeichen eines solchen Gerichtes zum Tode bei einem Nichtthäter des Wortes?

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