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Die geistige Sonne

1. Kapitel – Der Herr auf den wunderbaren Wegen Seiner Liebe.

[2.1.1] Sehet, da vor uns liegt schon wieder jenes wohlbekannte Hügelland mit den kleinen, niedlichen Wohnhäusern. Aber diesmal erscheint es in einem noch helleren Lichte als die vorigen Male. Der Grund davon ist, weil die Liebe dieser drei zum Herrn überaus mächtig und groß ist.

[2.1.2] Sehet, wie der Herr Selbst in Seiner höchsten Schlichtheit diesen dreien alle die Wunderherrlichkeiten des hauptmittäglichen Himmels erklärt und ihnen anzeigt, wer und woher alle die seligen Einwohner in dieser Gegend sind. Auf der Erde hätte solch eine Erklärung auf unseren Prior sicher eine sehr ketzerisch aussehende Wirkung gemacht, da diese überaus herrliche und endlos weitgedehnte himmlische Gegend nahe von lauter Protestanten bewohnt ist. Aber jetzt ist er in einem ganz anderen Lichte und kann über jede Äußerung des Herrn Seine unendliche Güte, Liebe und Erbarmung nicht genug loben und preisen.

[2.1.3] Wir sind bei dieser Gelegenheit auch schon wieder an unseren wohlbekannten Fluß gekommen, und der Herr, allda etwas innehaltend, spricht zum Prior, somit auch zu dessen Weibe und zum Laienbruder: Siehe, hier ist die Grenze zwischen Morgen und Mittag. Du kannst hier an Meiner Seite beide Gegenden schauen. Aber diejenigen, die hier wohnen, vermögen solches noch nicht. Nur die von ihnen bewohnte Gegend mögen sie erschauen, und das in großer Klarheit, aber die Gegend des Morgens mögen sie nicht anders erschauen als eine rötliche Glorie, welche über ein fernes überhohes Gebirge zu ihnen herabstrahlt. Da du aber nun die beiden Gegenden siehst, so sage mir, in welcher Gegend meinst du wohl, daß Ich hierorts wohne?

[2.1.4] Der Prior, sich ein wenig umsehend und am linken Ufer des Stromes eine große Stadt erblickend, spricht: O Du liebevollster Vater! Dort am Strome, sicher voll des lebendigen Wassers, wird wohl Dein himmlisches Jerusalem stehen, von welchem geschrieben steht, daß sie ist die Stadt des lebendigen Gottes. – Demnach wäre es vielleicht nicht zu weit fehlgeworfen, wenn ich sage, Du wohnest in dieser heiligen Stadt; denn etwas so unnennbar Erhabenes wie da ist eben diese heilige Stadt, kann sich ja doch wohl sicher kein geschaffener Engelsgeist in Ewigkeiten mehr denken.

[2.1.5] Der Herr spricht: Mein lieber Sohn, Freund und Bruder! Du hast eben nicht so fälschlich geraten, denn in solchen Städten, deren Zahl längs dieses ewig weit gedehnten Stromes kein Ende hat, pflege Ich nicht selten bei gewissen Gelegenheiten Mich einzufinden. Aber so ganz eigentlich zu Hause bin Ich da mitnichten, außer in der Sonne, die du ersiehst, durch welche Ich wohl in allen Himmeln gleicherweise zu Hause bin. Daher magst Du weiter raten.

[2.1.6] Der Prior spricht: So wirst Du, o Herr und liebevollster Vater, vielleicht wohl in einem oder dem andern jener großen Wunderpaläste zu Hause sein, also sichtbar wie jetzt, denn Du hast ja Selbst von einem großen Hause in den Himmeln gesprochen, darinnen viele Wohnungen seien. Da aber in einem solchen nahe unübersehbar großen Palaste doch auch sicher sehr viele Wohnungen sein werden, so könntest Du wohl etwa in einem allergrößten unter den endlos vielen zu Hause sein?

[2.1.7] Der Herr spricht: Ich sage dir, Mein lieber Sohn, Bruder und Freund! Auch hier hast du die Sache eben nicht gar zu fälschlich beraten, denn fürwahr, wie in den Städten, also pflege Ich Mich auch bei großen Gelegenheiten in diesen großen Wohnhäusern persönlich wesenhaft einzufinden. Aber für beständig und für eigentümlich bin Ich auch in diesen großen Wohnhäusern nicht anders wie in den Städten gegenwärtig; daher magst du dich noch einmal beraten.

[2.1.8] Der Prior spricht: O heiliger, liebevollster Vater! Mir geht jetzt ein Licht auf. Da Du Dich auf der Welt stets nur den Kleinen und Unbedeutenden also liebevollst und zutraulich genähert hast, so wirst Du vielleicht auch hier dort eine Wohnung haben, wo auf jenen Hügeln uns kleine niedliche Wohnhäuser gar so gastfreundlich anlächeln. Da aber diese kleinen Wohnhäuser alle sich völlig gleichen, so dürfte es mir wohl schwerfallen, aus den vielen das eigentlich rechte zu bestimmen; und das nächste beste zu nehmen, das käme mir vor Dir, o Herr, Deiner etwas unachtsam und unwürdig vor.

[2.1.9] Der Herr spricht: Mein Sohn, Bruder und Freund! Hier hat dein „Vielleicht“ eingeschlagen; denn siehe, da kannst du wählen, das welche du willst, und es wird schon das rechte sein. – Weißt du aber, daß du Mich auf der Erde vielleicht einmal getragen hast? – Möchtest du Mir nun nicht auch raten, wie, wann und wo?

[2.1.10] Der Prior spricht: O Herr! Ich kann mich an dieses „Vielleicht“ erinnern und harre nun mit großer, seligster Sehnsucht der Enthüllung desselben. – Bezüglich der Tragung Deines allerheiligsten Wesens auf der Erde von mir wird wohl sicher nichts anderes verstanden sein können, als daß ich Dich unter den Gestalten des Brotes und Weines in meinen Händen getragen habe. Hier kommt's mir vor, als wären die drei Bedingungen: wie, wann und wo erschaulich sicher. Sonst wüßte ich wahrhaftig nichts bezüglich Deiner Tragung Würdiges hervorzubringen.

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