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Die Haushaltung Gottes

[1.15.11] Da fiel er, von großer Reue ergriffen, zur Erde nieder und weinte und schrie überlaut: „Großer, übermächtiger, überstarker und überheiliger Gott! Nun erkenne ich erst meine unendliche Schuld und Schwäche vor Dir, Deine Gerechtigkeit, aber auch Deine unbegrenzte Liebe!

[1.15.12] Siehe, ich bin nicht wert des Daseins; daher vernichte mich vom Grund aus ewig, damit ich fürder nicht mehr sei ewig und meine größte, alleinige Schuld damit ausgelöscht werde für alle einstigen gesegneten Nachkommen Adams und der Eva!“

[1.15.13] Und sieh, da nahm sein Bruder das Schwert wieder in die linke Hand und schwang es abermals, – aber über die Brust Cahins.

[1.15.14] Und siehe, da durchströmte neues Leben den Cahin, und der Todhunger verließ ihn; aber dafür wurde in ihm der Hunger nach Leben desto größer. Aber er konnte nicht finden, was ihn alsogleich hätte sättigen können. Und da er nichts fand, so wendete er sich abermals zu Ahbel und sprach:

[1.15.15] „Siehe, Bruder, mich hungert stark nach einer Speise des Lebens, die Leben in sich hat und nicht den Tod, so wie das Fleisch der Schlange und ihr kaltes Blut! Denn siehe, Bruder, da mir nun die Erkenntnis kam vom Grunde meines Seins, wie ich war ehedem, und wie ich jetzt bin, so empfinde ich starke Reue und einen großen Hunger und einen brennenden Durst nach der göttlichen Liebe und nach ihrer großen Barmherzigkeit! Denn siehe, ich weine ohne Stimme, und die Reue ist ohne Tränen bei mir; daher sättige mich mit der Stimme der Liebe, und lösche meinen großen Durst mit den Tränen der Reue!

[1.15.16] Denn höre und vernimm: Ich, der Größte, wurde kleiner denn der Staub; ich, der Stärkste, bin geworden schwächer denn eine Mücke; und ich, der Leuchtendste, wurde schwärzer denn der Mittelpunkt der Erde!

[1.15.17] Und so bin ich jetzt vor dir, der aus mir ward ein kleiner Geist und jetzt schon größer ist in allem, wie ich es war damals, als noch nicht war die Welt, da ich mich habe selbst gefangen in meiner allzu großen Stärke und wurde daher der Schwächste unter allen; denn da verloren, die viel hatten, vieles, die wenig hatten, weniges, und ich, der alles hatte, verlor auch alles, und alles durch meine Schuld, und die andern ihr vieles und weniges auch nur durch meine brennende Schuld.

[1.15.18] O Bruder Ahbel, zaudre deshalb nicht, und reiche mir ein Gericht von einer Lebensspeise zur Erlangung der Stimme zum Weinen, und reiche mir Segenlosem einen Trank, damit ich nicht verschmachte in der Reue ohne Tränen!“

[1.15.19] Da betrat Ahbel wieder die Feste der Erde und ging vollends hin zum Cahin körperlich und sprach zu ihm: „Cahin, du schwacher Bruder meines Leibes und Sohn Adams und Evas, stehe auf und folge mir! Ich will dich wieder zurückführen zu den Eltern und all den Geschwistern; da wirst du finden in der Fülle, woran dir so sehr gebricht, und sollst gesättigt werden und stillen allen deinen Durst.

[1.15.20] Aber so du satt wirst geworden sein und gelöscht wird sein dein brennender Durst, dann gedenke des Herrn in Seiner Liebe und Seiner erbarmenden Gnade, und bedenke, daß das Erste das Letzte und das Letzte das Erste ist!

[1.15.21] Und nun folge mir in aller Geduld und Sanftmut – und alle deine Stärke sei künftighin Geduld, und alle deine Kraft sei künftighin die Sanftmut; und so wirst auch du noch Gnade finden vor Dem, dessen Liebe unendlich ist und keine Grenzen hat in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten.“

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