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Die Haushaltung Gottes

15. Kapitel — Cahins Bekenntnis

[1.15.1] Und siehe, als der Cahin nun dieses getan hatte, da kam ihm der fromme Bruder Ahbel nach und redete ihn im Namen der ewigen Liebe folgendermaßen an:

[1.15.2] „O Bruder, warum issest du das Fleisch der Schlange, da doch der Früchte in großer Menge bereitet sind, zu stillen deinen Hunger?! Siehe, unser Vater Adam trank vom Gewächse, das er nicht kannte, wie es die Schlange schlau und listig in aller Meisterschaft ihrer grenzenlosen Bosheit zubereitet hat zu seinem und aller Nachkommen Verderben, und sündigte dadurch vor dem Herrn aller Gerechtigkeit und ihr alle durch ihn; und ich selbst war belastet worden mit der Schwere der Schuld vor Gott und mußte büßen gleich euch, die ihr alle getrunken habt vom Safte des Verderbens, und mußte verlassen gleich euch das Paradies und mußte auf mich nehmen eure Last körperlich und all euren Segen geistig und war belastet doppelt euretwegen.

[1.15.3] Und siehe, du issest gar das Fleisch der lebendigen Schlange samt ihrem Blute! Cahin, warum tatest du das?“

[1.15.4] Und siehe, da erholte sich Cahin von seinem Ärger, von seiner Wut und von seinem Grimme und sah den Ahbel an und sprach: „Siehe, was ich tat, das tat ich aus Rache, zu verderben der Schlange ihr Geschlecht und zu verderben mich, da ich nicht würdig ward befunden je des Segens vom Herrn, da ich doch wurde, wie ich bin, ohne meine Schuld, sondern durch die Schuld der Eltern, die vor mir waren, da ich noch nicht war, und da entstand, da sie gesündigt haben vor den Augen Jehovas.

[1.15.5] Warum muß und soll ich denn büßen meine Schuld, zu deren Entstehung ich nie etwas beitragen konnte, da ich nur die Frucht der Sünde, nicht aber die Ursache derselben bin und mußte deswegen des Segens entbehren, der euch allen zuteil ward in der Fülle, und mich mühsam schleppen, da ihr spranget wie Hirsche, belastet vom unverdienten Fluche Jehovas?!

[1.15.6] Und nun siehe die Ursache meiner Tat; denn die Schlange im Grase redete mich an und sprach: ,Verzehre mich, und sättige dich an meinem Fleische, und stille deinen Durst mit meinem Blute, und du wirst werden ein Herr der Erde, und alle deine Nachkommen werden herrschen auf derselben, und ihre Kraft und Macht wird stärker sein denn die aller der Gesegneten; und ich gebe dir kein Gebot, sondern die Macht, zu herrschen, und die Kraft, dir zu unterjochen alles!‘

[1.15.7] Und siehe, so sprach die Schlange weiter: ,Mein Fleisch wird dich vernichten in deiner ungerechten Schuld vor Gott, und mein Blut wird dir geben eine neue Wesenheit ohne Schuld, ausgerüstet mit aller Macht und Kraft!‘ Da verstummte die Schlange, und ich ergriff sie, zerriß sie und verzehrte sie, wie du soeben sahst!“

[1.15.8] Und siehe, da wurde Ahbel ergriffen und schwang mit der rechten Hand das Schwert der Gerechtigkeit über das Haupt Cahins; und dem Cahin wurden die Augen geöffnet, und er sah sein großes Unrecht ein, da er beschuldigt hatte Gott und seine Eltern, und sah die ganze Schuld in sich und sah die unerforschlichen Wege der ewigen Liebe in Ihrer geheimen und unbegrenzten Weisheit und sah, wie er die eigentliche verführende Schlange selbst war, welche durch die unbegrenzte Erbarmung der ewigen Liebe zum Menschen wurde durch ihn, damit sie, freilich durch eine größere Prüfung, in ihrer einstweiligen segenlosen Schwäche sich dieser Schwäche bewußt werde und sich in dieser ihrer bewußten Schwäche dann endlich, selbst bestimmend in aller Freiheit ihres Wesens, zum Herrn aller Macht und Kraft hätte wenden können und sollen, woher ihr dann auch, gleich den schon Gesegneten, der Segen und dadurch die Wiederaufnahme in die große Gnade der allerbarmenden Liebe in allergrößter Fülle der Macht und der Kraft zugekommen wäre.

[1.15.9] Und er sah, daß diese Schlange, die er soeben verzehrte, er selbst war in seinem noch bösen Teile, und sah, daß er nur durch seinen Ärger dieselbe in ihrer wieder zurückgekehrten Wesenheit auf die Erde hingehaucht habe, und daß die Worte der Schlange seine eigenen waren aus dem noch innersten Fundamente seines Urwesens vor aller Schöpfung der sichtbaren Welt der Materie.

[1.15.10] Und er sah noch, wie er dadurch die Schlange wieder in sich aufnahm, oder wie er sich eigentlich selbst von neuem bestärkt hatte in allem Bösen und dem daraus hervorgehenden Falschen, und sah, wie tief er nun neuerdings gefallen war in den Tod.

[1.15.11] Da fiel er, von großer Reue ergriffen, zur Erde nieder und weinte und schrie überlaut: „Großer, übermächtiger, überstarker und überheiliger Gott! Nun erkenne ich erst meine unendliche Schuld und Schwäche vor Dir, Deine Gerechtigkeit, aber auch Deine unbegrenzte Liebe!

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