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[GS 2.64.12] Sehet, diese sicher weise Schlußfolgerung habe ich auch diesem hohen Gaste dargestellt, und er hat sie mir eben so vortheilhaft bestätigend erwiedert; aber höret mich nun an, meine Kinder! Es handelt sich bei der Erlangung der Kindschaft Gottes aber durchgehends nicht um das Mehr- oder Glücklicherwerden, sondern um’s Vollkommener- und Lebendigerwerden in der Liebe Gottes. Ihr wißt aber alle aus eigener Erfahrung, daß allhier unser größtes Glück, wie auch unsere größte Glückseligkeit nichts so sehr, als nahe ganz allein unsere gegenseitige Liebe bedingt. Je mehr wir uns lieben, je inniger wir uns in der Liebe körperlich wie geistig vereinen, desto glückseliger sind wir auch!

[GS 2.66.11] Das ist ein ziemlich schwieriger Punkt; aber wie gesagt, ein ziemlich wohlgenährtes Stößchen wird ihn schon wieder in’s rechte Gleichgewicht bringen. – Um aber dieses Stößchen so wirksam als möglich zu machen, wollen wir zuerst einen Griff in die naturmäßige Welt thun; und so höret!

[GS 2.67.7] Wenn auf diese Weise die Kindlein hier durch die zehn Abtheilungen dieses Gebäudes aus- und durchgereift werden, so kommen sie dann schon in ein anderes Gebäude, allwo sie nicht mehr in solchen Bettchen ruhen dürfen, sondern da sind für sie gewisse sanfte Geländerreihen errichtet, in denen sie stehen und gehen lernen. Auch dieses Gebäude hat ebenfalls zehn Abtheilungen, in welchen das Gehen fortwährend ausgebildet wird. Sind die Kindlein des Gehens vollkommen kundig, da ist schon ein anderes Gebäude von wieder zehn Abtheilungen; in diesem Gebäude wird für das Sprechen der Kindlein gesorgt, welche Sorge also klug eingeleitet ist, daß es sich fürwahr der Mühe lohnt, dahin zu gehen, und diese Unterrichtsanstalt näher in den Augenschein zu nehmen.

[GS 2.70.11] In einer jeden darauf folgenden Capelle wird die Form stets beständiger und gewisserart auch solider. Also gehen wir hundert Capellen durch. Nach der hundertsten erblicken wir durch den leicht durchsichtigen Nebelball schon einen krystallreinen Wassertropfen schweben; und wenn wir wieder ein paar hundert Capellen durchgegangen sind, so werden wir in einer jeden den Wasserball größer erblicken, bis er endlich schon die Größe des früheren Nebelballes bekommt.

[GS 2.70.16] Nachdem wir bei dieser langsamen Fortbildung wieder einige hundert Capellen durchgegangen sind, stellt sich uns hier in der nächstanstoßenden schon ein gewaltig brausender Klumpen in der Mitte eines ziemlich großen Wasserballes vor. Bedeutende Blasen entsteigen fortwährend demselben, und sind hier schon Träger einer Art dunstiger Substanzen, welche sich über die Oberfläche des Wasserballs beim Zerplatzen der aufsteigenden Blasen wie leichte Nebel über die Oberfläche des Wassers ausbreiten; – und sehet, diese Aktionen werden von Capelle zu Capelle heftiger; bei der hundertsten Capelle erblicken wir schon hier und da durch den schon stark verkrystallisirten Wasserball glühende Stellen, von denen fortwährend wie bei einem siedenden Wasser Dämpfe aufsteigen, und das in zahllosen Blasen und Bläschen.

[GS 2.76.2] In einem jeden darauffolgenden Saale wird ein neues Gebot practisch gelehrt und geübt; und das durchgehends auf dieselbe Weise, wie ihr es mit dem ersten Gebote hier in dem ersten Saale zu beobachten hinreichend Gelegenheit gehabt habet.

[GS 2.76.10] Und sehet, auf diese Weise also praktisch wird dieses zweite Gebot in diesem zweiten Saale den Schülern gelehrt, und so lange bei Jedem durchgeübt, bis er darin eine gerechte Fertigkeit überkommen hat. – Hat er das, so geht es dann in den dritten Saal zum dritten Gebote über, welches, wie ihr wißt, da lautet:

[GS 2.76.22] Also aber, wie mit diesen zwei Geboten, und vorhin mit dem ersten, wollen wir in aller Kürze auch noch die anderen durchgehen, damit ihr den gehörigen Begriff überkommt, in welchem Sinne alle die Gebote hier den Kindern beigebracht werden; – und so wollen wir für’s Nächste sogleich das vierte Gebot im vierten Saale in aller Kürze betrachten.

[GS 2.79.5] Dazu aber muß noch ein Jeder sich nothgedrungen selbst das Zeugniß geben, daß sicher bei keinem zu haltenden Gebote die Natur dem Menschen allgemein so mächtige Prügel unter die Füße wirft, über die er stolpern muß, als eben bei diesem. – Ein jeder Mensch, wenn seine Erziehung einiger Maßen geordnet war, findet gar keinen Anstand, oder höchstens einen sehr geringen nur, in der Haltung der übrigen Gebote; aber bei diesem Gebote macht die Natur allzeit einen kräftigen Strich selbst durch die Rechnung eines Apostels Paulus!

[GS 2.79.16] Wenn aber das nun evident erwiesen ist, so fragt sich: Wie und auf welche Weise kann denn der absolute Geist Unkeuschheit treiben? – Kann der Geist fleischliche Begierden haben? – Ich meine, einen größeren Widerspruch dürfte es doch kaum geben, als den, so sich Jemand wollte im Ernste einen fleischlichen Geist denken, der nothgedrungener Maßen materiell sein müßte, um selbst grobmaterielle Begierden in sich zu haben.

[GS 2.89.5] Ein Jeder, der nun alles Dieses also gründlicher Maßen durchgegangen ist, muß endlich sagen: Fürwahr, allem Dem läßt sich nicht ein Atom groß einwenden; denn es hängt ja Alles mit den ersten naturrechtlichen Urkunden eines jeden Menschen so enge zusammen, daß man daran nicht den allerkleinsten Faden entzwei schneiden darf, um nicht eine glückliche menschliche Gesellschaft bis in ihre innersten Fundamente zu zerstören. – Denn man nehme da hinweg, was man wolle, so wird sich der Defect sobald in den ersten Naturprincipien eines jeden Menschen wahrzunehmen anfangen.

[GS 2.96.1] Es werden hier so Manche, die das Vorhergehende durchgelesen haben, sagen: Da sind wir im Ernste sehr neugierig darauf, was dieses Gebot für einen eigentlichen beständigen Sinn hat, nachdem jeder Sinn, den wir ehedem diesem Gebote beigelegt haben, unwiderlegbar in’s Allerunsinnigst-Lächerlichste gezogen und dargestellt ward. Wir möchten im Ernste schon sehr gern erfahren, wer demnach der Du, der Nächste und dessen Weib ist? – Denn aus dem Gebote läßt sich mit Bestimmtheit nichts aufstellen. Der Du kann wohl sicher Jedermann sein; ob aber darunter auch ein Weib verstanden sein kann, das steht noch im weiten Felde. – Der Nächste ließe sich wohl allenfalls etwas näher bestimmen, besonders wenn man dieses Wort in einem umfassenderen Sinne nimmt, wodurch dann Jedermann unser Nächster ist, der irgend unserer Hilfe bedarf. – Mit dem Weibe aber hat es sicherlich den größten Anstand; denn man weiß nicht, wird darunter nur ein verheirathetes Weib, oder auch das ledige weibliche Geschlecht, mitverstanden. Es ist hier freilich mehr in der einfachen als in der vielfachen Zahl; aber das macht eben auch die Sache um kein Haar bestimmter. Denn wenn man in irgend einem Erdtheile die Polygamie annimmt, so hätte es da mit der einfachen Zahl offenbar wieder einen neuen Haken; – aus allem Diesem sind wir um so neugieriger auf den eigentlichen Sinn dieses Gebotes, indem der Buchstabensinn allenthalben ganz gewaltig unstichhaltig ist.

[GS 2.105.16] Und sehet nun, in allem dem werden unsere Schüler auf das Allergenaueste, was die Nächstenliebe betrifft, praktisch unterrichtet. Wenn sie nun darin eine Fertigkeit erlangt haben, bekommen sie die Weihe der Vollendung, und werden dann auf eine genau verhältnißmäßig bestimmte Zeit lang den lebenden Menschen auf der Erde zu Schutzgeistern gegeben, und das zumeist aus dem Grunde, um sich bei dieser Gelegenheit in der wahren Geduld des Herrn zu üben; denn ihr glaubt es kaum, wie schwer es einem solchen himmlisch gebildeten Geiste ankommt, mit den halsstarrigen Menschen dieser Erde also im höchsten Grade nachgebend umzugehen, daß es diese gar nie merken dürfen, daß sie von einem solchen Schutzgeiste auf allen Wegen begleitet und nach ihrer Liebe geleitet werden.

[GS 2.113.3] Wenn unser Fleischheld Alles so durch und durch genossen hat, und seine Natur ihm ganz gewaltig den schnöden Dienst zu versagen anfängt, da greift er zu künstlichen Mitteln, um dadurch seine abgestumpfte Natur wieder neu zu beleben. – Dergleichen Mittel werden zuerst aus der Apotheke genommen; fruchten diese nicht mehr, dann wird einem solchen bis auf den letzten Tropfen abgelebten Fleischhelden ein gewisser schandvoller Beischlaf von gesunden Knaben und Jünglingen verordnet. – Dadurch wird seiner Natur ebenfalls wieder etwas aufgeholfen; denn die hochgelehrten Aerzte wissen Solches ja, daß die Ausdünstung der männlichen Jugend am allerstärkendsten auf einen decrepiden und gänzlich ausgelebten Fleischbock einwirkt. – Auf diese Weise wird dann unser Fleischheld auch ein Knabenschänder.

[GS 2.113.4] Seine Natur kehrt sich ganz um; er bekommt einen förmlichen Ekel vor dem Fleische der Weiber, und sucht dann nur sich mit dem stärkenden Fleische der männlichen Jugend zu befriedigen. Und hat er sich auch bei dieser Art einen Ekel über den buhlerischen Fleischgenuß bereitet und sich die gänzliche Unfähigkeit zugezogen, so wird er dann zornig über eine solche Einrichtung der Natur, die ihm keinen Stich mehr hält.

[GS 2.113.6] Aus diesem Grunde ist er aber dann auch ein reiner Atheist; und die Natur, d. h. die äußere, sichtbare, grobe, ist sein Gott. – Diesem Gotte – diesem Gotte bringt er so lange seine Opfer, als er in der noch brauchbaren Kraft seiner eigenen Natur die Erfahrung macht, daß ihm dieser Naturgott durch solche Einrichtung reizende und angenehme Genüsse verschafft; wehe aber diesem Naturgotte, wenn er unserem Helden einmal den Dienst versagt! Fürwahr, es wäre gar nicht möglich, alle die bitteren und schändlichen Lästerungen wiederzugeben, mit denen unser Fleischritter diesen Naturgott ehrt. – Zorn, Rache, Grimm und Wuth sind dann die Beigaben oder Wappenschilde, welche er führt. Hätte er Macht, zwischen zwei Fingern würde er die ganze Schöpfung zerpulvern; und das Fleisch der Weiber, das ihn so geschwächt hatte, wie auch das der männlichen Jugend, das ihm keine Stärkung mehr gab, würde er mit glühenden Messern zerschneiden und mit glühenden Hämmern zerklopfen. – Fürwahr ihr könnt es glauben, der heimliche Zorn eines rechten Buhlknechtes, wenn er sich vollkommen ausgebuhlt hat, übersteigt alle menschlichen Begriffe. – Ein Mordbrenner, ein Todtschläger, ein Straßenräuber dürfte noch mehr menschliches Gefühl in sich haben, als ein solcher überaus fleischgieriger Buhler, dem sein Fleisch den Dienst versagt.

[GS 2.114.5] Eine ähnliche Ehre wurde allen Seinen ersten Nachfolgern zu Theil; – ich aber frage: Was hat da das Schamgefühl zu thun, wo man zuerst verfolgt und verspottet, und endlich nackt an’s Kreuz geschlagen wird? – Wie viel Ehre mag wohl Der noch im Leibe haben, wie viel Schamgefühls, der auf den Galgen gezogen wird? – Ich meine, bei dieser Gelegenheit dürften diese beiden so hochgeachteten Menschlichkeitsattribute so ziemlich in den Hintergrund gestellt sein.

[GS 2.115.7] Was ist aber das hernach? – Es ist nichts Anderes, als die schon völlig entwickelte Frucht des ersten so hochgepriesenen weiblichen Schamgefühles, und der Name der Frucht lautet: Unterste vollkommene Hölle! – Oder auch: Vollkommen reife Hölle, wenn die äußere Schale hinwegfällt! – Denn was würde so eine unglückliche Jungfrau Demjenigen Alles anthun, den sie, wenn schon irrwähnig, als den Grund ihres Unglückes anschaut?

[GS 2.116.7] Wenn Jemand auf dieser Welt nicht den letzten Heller zurückbezahlt hat, wird er nicht vermögend sein, in das Himmelreich einzugehen, darum heißt es hier fleißig alle die alten Schuldbücher durchgehen, und besonders diejenigen, welche das Wort „Liebe“ als Aufschrift führen. Liebeschulden sind für Jenseits die hartnäckigsten; ein Millionraub wird leichter aus der geistigen Gedächtnißkammer vertilgt, als eine Liebeschuld. – Warum denn? – Weil ein Millionraub nur eine äußere, den Geist nichts angehende, gewaltige Verschuldung ist; aber die Liebeschuld betrifft gerade zu allermeist den ganzen Geist, weil Alles, was Liebe ist, das eigentliche Wesen des Geistes ausmacht. Aus diesem Grunde ist für den Menschen auch nichts so gefährlich auf dieser Welt, als das sogenannte Verliebtwerden; denn dieser Zustand nimmt den ganzen Geist in Anspruch. Treten hernach äußere Hindernisse ein, welche dergleichen vorzeitige gegenseitige Geschlechtsliebe nicht reussiren lassen, so ziehen sich die beleidigten Geister wohl zurück, lassen sich durch allerlei Weltgeflitter vertheilen; aber nichts desto weniger werden sie aus dem Grunde geheilt.

[GS 2.119.13] Aus Dem aber geht dann klar hervor, daß ein jeder Mensch durch die Art seiner Liebe der Schöpfer seiner eigenen inneren Welt wird, und daß er nie in irgend einen Himmel oder in irgend eine Hölle kommen kann, sondern nur in das Werk seiner Liebe; – darum es auch heißt: „Und euere Werke folgen euch.“ – Und auf eben diese Weise, wie wir jetzt die Erscheinlichkeit der Hölle durchgemacht haben, auf eben diese Weise machen es unsere bekannten Sonnenschüler durch. Was aber mit ihnen nachher geschieht, wollen wir nächstens betrachten.

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