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[GS 2.20.4] Aber gehen wir nur hinein in den Mittelraum dieses Gebäudes, von welchem uns schon ganze Ströme von Licht entgegen kommen. Sehet, es ist eine überaus große Rotunde; der Boden ist azurblau, und ist durchgehends besetzt mit den euch wohlbekannten Sternbildern eueres sichtbaren Himmels. Die Sterne glänzen aber beiweitem stärker, als die ihr zur Nachtzeit schauet von euerer Erde. – Die Wände dieser Rotunde bestehen ebenfalls aus drei übereinander gestellten mächtigen Säulenreihen; die unterste Reihe besteht aus lauter Rubinen, die mittlere Reihe aus lauter Smaragd und die oberste Reihe aus reinstem Hyacinthe. Jede Reihe ist mit weißen Bögen miteinander verbunden, über welchen allerprachtvollste Gallerien aus durchsichtigem Golde angefertiget sind.

[GS 2.22.5] Sehen wir aber hinauf in das endlose bläuliche Luftmeer, und ihr könnt dort allzeit von dem großen Schöpfer dasselbe gezeichnet finden, was unsere Hand hier nachgeahmt hat. – Wie lautet denn sonach dieser Wink? – Höret, ich will ihn euch wiederholen. „Inmitten des großen Hofes des Sternenpalastes errichte Du Aeltester dem Einigen Gotte einen Altar, und lege Holz quer übereinander darauf; das Holz aber sei makellos und vom besten Geruche. Doch sollst du dieses Holz nie mit einem weltlichen Feuer entzünden, sondern ein Feuer aus deinem Gemüthe soll dieses Holz zur Flamme bringen. Wenn das Holz aber durch das Feuer des Gemüthes wird flammend werden, dann gehe hin, und erforsche dich und die Deinen im Lichte dieser Flamme, ob Jemand deines Hauses fähig sei, zu betreten die Wohnstätte Gottes. Wer sich fähig fühlt, der trete zum Altare und lese in der Flamme die Bedingungen, die er zu erfüllen hat auf der Welt, die der große Gott für Sich nur und für Seine Kinder geschaffen hat. – Also lautet der Wink.

[GS 2.30.20] Der Schmied sagt zu seinem Gesellen: Zur Schmelzung von wenig Eisen genügt auch eine geringere Kohlengluth, und die Esse braucht dazu den Athem nicht zu tief zu holen, wenn aber ein großer Klumpen Eisens soll geschmolzen werden, da spricht der Schmiedmeister zu seinem Gesellen: Nun bringe drei Körbe fester Kohle, und laß die Esse festweg gehen, sonst wird der große Metallklumpen kaum in die Rothglühhitze gelangen. Ich meine, diese Schmiedmeistersregel, welche doch so ziemlich mit Händen zu greifen ist, wird auch für uns gar überaus wohl anzuwenden sein. Mehr Kohle, mehr Essenwind, heißt so viel: Mehr Liebe und mehr Vertrauen, und es wird werden nach dem gläubigen Verlangen!

[GS 2.31.6] Warum hat denn der Verfasser seine Einleitung so breit angefangen und ließ sie gar so entsetzlich schmal enden? Hätte er sie nicht eben so gut ganz weglassen können? Wir können diese Frage weder bejahen, noch verneinen, die fest für seinen Zweck taugt; ob sie auch für den Zweck des Lesers taugt, das wird der Leser, wenn er das ganze Werk wird durchgelesen haben, am leichtesten bestimmen.

[GS 2.32.6] Zwölf Staffeln sind es nur; diese werden wir gar leichtlich überschreiten. Also nur hinauf! Wir sind in der Gallerie. Da sehet einmal das Bodenpflaster dieser Gallerie an; sieht es nicht aus, als wäre es eine rundgestreckte, weit ausgedehnte, allerfeinst geschliffene Diamantfläche von einer Breite zu zehn Klaftern eures Maßes genommen? – Und seht es nur recht genau an, es ist nirgends etwas Zusammengefügtes zu entdecken, also durchgehends kein Stückwerk, sondern ein vollkommen Ganzes. – Und betrachtet einmal die Säulen, die nach Innen gewendet sind, oder die inwendige Reihe bilden; eine jede ist umfaßt mit einer Wendeltreppe aus dem allerherrlichsten Rubine, und ist die Treppe eingeländert mit den zierlichsten Stäben aus weißem Golde, und über einem jeden der vielen Stäbe des Geländers ist eine hellblau strahlende Kugel angebracht, welche ein wunderliebliches Licht von sich wirft.

[GS 2.34.9] Also sieht es auch zu allermeist mit den berühmten Kanzelpredigern aus; sie zünden mit ihrem übermäßigen Feuer eine Hölle an, in welcher kein auch dem allermächtigsten Feuer verwandtes Wesen nur eine Secunde lang aushalten könnte; fraget ihr sie hernach, was ihr Herz zu einem so außerordentlich hohen höllischen Hitzegrade sagt, so wird euch die Antwort werden: Ich befinde mich recht wohl dabei; ein guter Braten und ein wohlgenährtes Glas Wein auf so eine hitzige Predigt bringt bei ihm Alles wieder in’s Gleichgewicht.

[GS 2.39.19] Und sehet, gerade so wird es auch uns ergehen; wir werden auch bis zur Erreichung der Vollhöhe dieses Gebäudes noch so manche Schwindelhöhe zu bestehen haben; aber die Vollhöhe wird dann Alles in’s Gleichgewicht setzen, und wir werden überaus frohen Muthes die Rückreise anzutreten im Stande sein.

[GS 2.40.10] Ihr saget hier freilich: Davon sehen wir nicht so recht den Grund ein, denn in der Liebe ist ja auch die höchste Weisheit vorhanden; so können wir sie dort vereint mit der Liebe erfassen, so wird sie uns auch im absoluten Zustande nicht gar zu leicht durchgehen. – Ja, meine lieben Freunde und Brüder, ihr urtheilet sonst ziemlich richtig; aber dießmal muß ich euch sagen, daß ihr schon wieder einen ziemlich starken Hieb in’s Blaue gemacht habt. Damit ihr aber Solches von mir nicht nur allein höret, sondern auch bei euch so recht sonnenklar einsehet, so will ich auch ein paar Beispielchen aufführen, die euch zur Genüge meinen Ausspruch bestätigen sollen; und so höret denn!

[GS 2.43.12] Dieses Polyorganon saugt zufolge seiner mächtigen Attraktion zu der Flüssigkeit dieselbe fortwährend auf. – Dieses Polyorganon reicht aber auf der entgegengesetzten Seite des Reifes bis zu einem Drittel der ganzen Reifhöhe herab, und läßt die auf der anderen Seite eingesogene Flüssigkeit herabträufen; vor dem Ende des Polyorganons ist ein trichterartiger Tropfensammler angebracht, dessen unterste Röhre an ein wohl berechnetes löffelartiges Schaufelwerk geleitet ist. Dieses Schaufelwerk ist unmittelbar an der Spindel befestiget, an welcher die Kugel selbst im Kreise hängt. Wenn durch ein oder mehrere herabfallende Tropfen ein Schäufelchen voll geworden ist, so wird das Schäufelchen natürlich schwerer, senkt sich dann abwärts, und bringt auf diese Weise die ganze große Kugel zum Umschwunge. Hat das Schäufelchen zu unterst wieder seine Flüssigkeit ausgegossen, so wird unterdessen schon wieder ein anderes gefüllt, und sinkt wieder herab; und da das Polyorganon eben so viel Flüssigkeit fortwährend aufsaugt, als es auf dieses Schaufelwerk herabträufen läßt, so ist das Perpetuum mobile unter den vorher angegebenen Bedingungen ja überaus leicht möglich. Wenn ihr noch dazu bedenket, daß diese Materie, aus welcher die Spindel und überhaupt das ganze Ornament besteht, keiner Abnützung, und somit auch keiner Reibung fähig ist; denn die Glätte der Spindel und des Cylinders, in welchem die Spindel läuft, ist so außerordentlich groß, daß es sich gegenseitig zur Umdrehung nicht das leiseste Hinderniß setzt. – Es ist, als möchte sich eine solche Spindel im reinsten Aether bewegen; und da die große glasartige Kugel auch höchst mathematisch genau sphärisch gleichgewichtig in der Spindel hängt, so wird auch ihre Ruhe schon durch das Gewicht eines kleinen Tropfens hinreichend leicht gestört. – Ein solches Fabrikat aber gehört bei diesen höchst weisen Menschen zu keinem Wunderwerke.

[GS 2.44.5] Ja, meine lieben Freunde und Brüder, sehet, das Sehvermögen des Menschen ist durchgehends also eingerichtet, daß es aus den zwei Extremen heraus tretend auf eine Zeit lang unbrauchbar ist; denn ist Jemand lange im heftigen Lichte gestanden, und kommt dann in ein dunkles Gemach, so wird er mit dem besten Gesichte die Gegenstände im selben nicht unterscheiden können. Eben also ist es auch umgekehrt der Fall; hat sich Jemand längere Zeit in einem dunklen Gemache aufgehalten, und tritt dann plötzlich an’s helle Licht, so wird er auch in den ersteren Augenblicken vor lauter Licht nichts mehr sehen, gleichwie die Vögel der Nacht am Tage nichts sehen, – erst nach einigen Secunden werden die Bilder anfangen sich seinem Auge immer klarer und klarer darzustellen.

[GS 2.45.1] Ihr habt Solches gethan, und habt darüber ein wenig nachgedacht; und ich sage euch: Hier ist das Verhältniß also: Ihr hättet darüber denken können, was ihr gewollt, und ihr hättet entsprechender Maßen vollkommen richtig und wahr ein Bild innerer Bedeutung dieses Ornamentes treffen müssen. Ihr saget hier freilich wohl mit etwas erstauntem Gemüthe:

[GS 2.48.8] Die Säulen dieses Rondeau’s stellen die Lebenskräfte des Menschen dar. Zwölf Säulen habt ihr entdeckt; – wenn ihr das Gebiet der Leben äußernden Kräfte durchgehet, so werdet ihr mit leichter Mühe finden, daß dasselbe auch auf zwölf ähnlichen Trägern ruht.

[GS 2.48.9] Wie lauten aber diese Träger, welche Namen haben sie? – Wir wollen sie ganz kurz durchgehen; der erste Träger heißt: Du sollst allein an Einen Gott glauben.

[GS 2.50.1] Ihr saget: Lieber Freund und Bruder, du magst wohl allerdings Recht haben, und es ist also, wie du gesagt hast; aber siehe, es ist mit der plötzlichen Erweckung der Liebe eine schwere Sache, was wir hier und da schon aus der Erfahrung wissen. Es hat sogar in dieser Hinsicht mit dem sogenannten Verliebtwerden einen Haken. Wenn man der Sache so recht nachspürt, so bringt man gar bald in die Erfahrung, daß man überhaupt die Liebe nicht in seiner Gewalt hat, und man kann nicht sagen, daß man in ein Wesen, wann man nur immer will, mag verliebt werden, sondern es fügt sich Solches nach den Umständen und nach den Bedingungen, und man ist als Liebender durchgehends kein actives, sondern ein rein passives Wesen, und muß im buchstäblichen Sinne genommen die Liebe nicht selten als eine Centnerlast herumschleppen; und es giebt dann und wann durchaus kein Mittel, sich derselben ledig zu machen, wie einer andern Last.

[GS 2.51.22] Thun euere Philosophen nicht auf ein Haar dasselbe? – Wenn ihr sie äußerlich betrachtet, da haben sie ein Ansehen, als strotzeten sie vom gediegendsten Golde der echten Weisheit; und ihre Beschäftigung nennen sie eine rein geistige; fragt ihr sie aber im Ernste nach etwas rein Geistigem, so werdet ihr bei diesen Menschen sogleich auf den allergröbsten Materialismus stoßen, dem zufolge sie euch sogleich darthun werden, daß ohne Materie durchgehends nichts Geistiges gedacht werden kann, und das Geistige somit erst von der Materie abstrahirt werden muß und nicht und nirgends als absolut bestehen kann, sondern muß zu seiner Aeußerung allenthalben einen materiellen Organismus haben; fällt dieser hinweg, so fällt auch alle geistige Wirkung und Aeußerung hinweg. – Die menschliche Gedankenfähigkeit ist dann nichts Anderes, als die Wirkung des materiellen Organismus, in dem sich die Kräfte wie in einer chemischen Retorte erst entwickeln müssen, um dann so lange zu wirken, so lange die Retorte nicht zerschlagen wird; ist die Retorte aber durch einen unglücklichen Stoß um ihr Dasein gekommen, dann ist es auch mit den in ihr entwickelten und wirkenden chemischen Kräften zu Ende.

[GS 2.58.6] Zu manchen Gelegenheiten erscheinen diesen Menschen hier und da Geister; aber auf diesem Platze ist es durch ihre Weisheit nicht bekannt, daß sich allda je ein Geist gezeigt hätte, noch zeigen möchte, und da sie die Geister nur an bestimmten Plätzen zu sehen gewohnt sind, so fällt es ihnen um so mehr auf, hier auf diesem für alle Geister verpönten Orte nun Wesen zu erschauen, die sie für nichts anderes, als Geister erkennen. Dieser Grund klingt freilich wohl, als wäre er ein wenig hohl; aber er ist das mit nichten, und läßt sich sogar mit ähnlichen Erscheinungen auf der Erde in ein ziemliches Gleichgewicht bringen.

[GS 2.61.2] Allererhabenster unter den Gesandten des großen Gottes! Darum du ein Zeitgenosse nach deinem Zeugnisse warst auf jener Erde, auf welcher es dem großen Gott gefallen hatte gleich Seinen Geschöpfen ein Mensch zu sein, um dadurch aller Creatur die Pforten zum ewigen Leben zu öffnen, – dir sage ich, daß ich deinen Worten auf den möglichen Grund des Grundes nachgespürt, sie sämmtlich als recht befunden und meine Weisheit angestrengt habe, um irgend einen Widerspruch zu finden; allein ich vermochte auch nicht auf einen Punkt zu stoßen, der mir die große Wahrheit deiner Aussage nur im Geringsten hätte verdächtigen können.

[GS 2.61.7] Wenn ich aber dagegen bedenke, daß ich in meinem gegenwärtigen Zustande auch nicht ein Atom gegen die sichere Größe solch’ eines allergeringsten Kindes Gottes ausmache, so will ich ja doch offenbar in der Erlangung solcher geringsten Kindschaft Gottes nothwendiger Weise mehr werden. Bei uns heißt eine solche Demuth, durch welche ein Mensch irgend mehr werden will, eine schmähliche Kriecherei; wie ist dann solche geistige Demuth vor Gott zu nehmen, wo man doch nothgedrungener Maßen entweder im schlimmeren Falle mehr werden will, als man vom Urbeginn der göttlichen Ordnung her war, oder wo man im besseren Falle wenigstens alleroffenbarlichst mehr werden muß. Wenn das Mehrwerden nicht voranstünde, so wäre dein mir vorgezeichneter Weg in jedem Punkte als vollgiltig anzunehmen. Da sich aber dieses verhängnißvolle „Mehr“ weder auf die eine, noch auf die andere Art hinwegschaffen läßt, so kann ich die Demuth nicht als diejenige Tugend betrachten, welche zur Erlangung der Kindschaft nothwendig sein soll; da sie, nämlich diese Tugend, am Ende zufolge des Mehrwerdens doch nur als eine Gleißnerei, Kriecherei und Heuchelei betrachtet werden kann.

[GS 2.63.14] Diese Sache möchtest du wohl ein wenig unnatürlich finden; aber siehe es giebt ja auch bei dir ähnliche Verhältnisse, und du handelst in dieser Hinsicht durchgehends nicht anders, als da handelt der Herr. – Wenn dir z. B. Jemand einen geringen Dienst erweiset, verlangt dafür aber einen großen Lohn, wie wird er in deinem Herzen empfangen sein? – Du sagst: Da wird er gering empfangen sein. – Wenn er dir aber einen großen Dienst erwiesen hat, und verlangt wenig dafür, wie wird der in deinem Herzen empfangen sein? – Du sprichst: Der wird groß empfangen sein. – Wenn dir aber Jemand Alles gethan hat, was du nur immer wünschest, und verlangt am Ende nichts von dir; denn er that Alles ja nur aus Liebe zu dir; – sage, wie wird Der in deinem Herzen empfangen sein? – Du sprichst: Diesen werde ich zu meiner Rechten setzen, und er soll in Allem mit mir in gleichem Besitze stehen; – denn Solcher hat sich mein Herz in der Fülle zinspflichtig gemacht!

[GS 2.64.10] Sehet, solches Alles wissen wir wie schon aus vielfacher Erfahrung; denn es giebt ja Mehrere unter uns, denen es schon zu öfteren Malen gegönnt war, die geistigen Dinge unserer Welt allerklarst zu schauen. Alsonach ist unser Loos durchgehend ein unberechenbar herrliches; denn wir sind als Geister ja wahrhaftige Großherren, denen nicht nur ihre ganze nahe endlose Welt zur allerklarsten Beschauung zu Gebote steht, sondern noch zahllose andere Welten, welche alle von dieser unserer großen Welt mehr oder weniger abhängen. – Das Alles, meine Kinder, unter einem Gesichtspunkte vereinigt, kann uns nichts Anderes sagen, als:

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