Help

jakob-lorber.cc

4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Treffer 140 - 160 von 535

[GS 1.31.12] Hier haben wir es; der himmlische Schatz ist diese Finsterniß, und das wohlgerüttelte Rückmaß besteht in dem sparsamen Moose, welches auf der Erde höchstens das Elennthier gefressen hätte, – hier aber können wir uns als mit einem hochgepriesenen himmlischen Lohne damit sättigen.

[GS 1.31.19] Meine geehrtesten Zuhörer, wenn überhaupt alle auf der Erde lebenden Menschen solch ein Loos, wie wir es nun haben, erwartet, was ich eben nicht bezweifeln will, so bin ich der Meinung, der ehrliche Moses und der kreuzehrliche Christus haben in dieser Hinsicht mit ihrer Gesetzgebung einen sehr schwankenden und effectlosen Weg eingeschlagen. Hätten sie dafür, und ganz besonders der Moses mit seinem Wunderstabe die Erde geschlagen, und dabei gesagt: Sonne verfinstere dich, wir haben für unsere Dummheit am Sternenlichte genug, und Du Erde werde zu einer Sandsteppe, auf welcher nichts wachsen soll, so hätte die ganze scharfe Gesetzgebung unter Donner und Blitz schön zu Hause bleiben können; denn unter diesen Verhältnissen müßte das Sündigen von sich selbst ja zu einer größeren Rarität geworden sein, als echte Diamanten in Grönland, Spitzbergen und Nova Zembla. Denn ich möchte Den kennen, der hier einen Raub oder Diebstahl begehen könnte, und einen Wollüstling bei dieser fetten Kost und bei unserer todten gerippartigen sinnlichen Reizbarkeit; auch einen Lügner möchte ich hier mit Gold bezahlen, wenn ich überhaupt eines hätte, – und was hier in Jemanden eine Mordlust erregen könnte? – Um das aufzufinden bei unseren Schätzen und Reichthümern, wäre sicher noch eine beiweitem schwierigere Aufgabe, als diejenige für die Astronomen, mit ihren optischen Werkzeugen Planeten anderer Sonnen zu entdecken. Kurz und gut, wir können thun, was wir wollen, und reden, was wir wollen, so bin ich überzeugt, daß wir unser Loos nicht um ein Haar verbessern werden; denn ich habe hier schon über einen Christoph Kolumbus weite Reisen unternommen, und dieses Sand- und Finsternißmeer nach allen Richtungen durchgesegelt, aber mir ist das Glück nicht zu Theil geworden, Land, Land! auszurufen, sondern überall Nacht, Sand und Moos! Daher ist meine Meinung zum Schluß meiner Rede diese:

[GS 1.35.10] Sage mir darum, kann es Gott dann unbedingt verlangen, daß diejenigen Menschen und Völker, welche für’s Erste nicht auf demselben Bezirke gelebt haben, und besonders für’s Zweite nicht gleichgiltig es unbedingt annehmen sollen, daß Er es war, der diese Lehre gestiftet hat; kann ihnen Gott verargen, wenn Er irgend ist, und gerecht ist, daß sie Solches nicht thun können? Oder können nicht die Menschen und Völker gegen Gott, so Er irgend Einer ist, dann auftreten, und sagen: Wie willst Du ernten, wo Du nicht gesäet hast? Willst Du über uns Gericht halten, so bist Du ein ungerechter Gott, willst Du aber ein gerechtes Gericht halten, da richte Diejenigen, die Dich gesehen haben und Denen Du geprediget hast, uns aber laß ungeschoren; denn wir haben Dich nie gesehen, und haben uns von Deiner Wesenheit niemals überzeugen können. – Das auf uns überkommene Dein sein sollende Wort aber kann uns nie zu einem Richter werden, da es eben so gut erdichtet, als wahr sein kann; und noch viel leichter erdichtet, als wahr. So lange wir auf der Welt gelebt haben, haben wir nur die alte Natur gesehen; von Dir aber war nie eine Spur. Wir sind auf die Welt gekommen als reine Kinder der Naturkräfte; die Menschen und Weltlehrer haben uns erst verständig gemacht. Durch unser ganzes Leben war von Dir keine Spur zu erspähen; wie willst Du demnach mit uns rechten, indem Du uns nimmer einen Beweis zum Zeugnisse Deines Daseins und Deiner Wesenheit geben wolltest?

[GS 1.36.11] Sie spricht: Mein allerhochgeschätztester und über Alles hochzuverehrender Freund! Sehen Sie, der Mann hier an meiner Seite ist mein zärtlichst geliebtester irdischer Gemahl. Dieser hat sich auf der Erde in allen seinen Handlungen überaus gerecht, ausgezeichnet und vortheilhaft benommen, so daß ich in allem Ernste bekennen muß, unsere Ehe war eine der glücklichsten; denn was kann wohl ein Weib sich für eine glückliche Ehe wünschen, als so sie einen Mann hat, der den Wünschen des weiblichen Herzens nachzukommen versteht. In diesem Punkte hätte ich bis auf ganz kleine Unbedeutendheiten fürwahr nichts einzuwenden.

[GS 1.36.20] Die Gestalt spricht: Gut, mein Freund, ich will Sie pro primo nur darauf aufmerksam machen, welche eigentliche Früchte das Christenthum auf der Erde getragen hat. – Die Römer waren ein großes Volk, so lange sie bei ihrer göttlichen Vernunftlehre geblieben sind. Alle ihre Werke waren groß und voll weiser Bedeutung; ihre Rechtsgrundsätze sind noch bis jetzt die Grundfesten aller staats- und völkerrechtlichen Gesetze. Als sich aber das Christenthum eingeschlichen hatte, da hat sich auch der Tod für das große römische Volk eingeschlichen; und so sitzen jetzt an der Stelle, wo einst das größte und heldenmüthigste Volk residierte, faule, müßige Pfaffen, eine Unzahl allerlumpigsten Gesindels, und mit dem Rosenkranze in der Hand geht eine Unzahl Diebe und Räuber lauernd auf die Wege, und kein Wanderer ist seines Lebens sicher. – Sehen Sie, das ist eine Frucht aus dem Garten des Christenthums. Reisen Sie in das herrliche Spanien; betrachten Sie diese Nation aus der alten Zeit, und gehen Sie dann in das christliche Mittelalter über, so wird es Ihren Blicken nicht entgehen, wie aus lauter christlichem Segen Tausende und Tausende bluten, und Tausende und Tausende über lodernden Scheiterhaufen zur Asche verbrannt ihr Leben nicht aushauchen, sondern ausverzweifeln! – Sehen Sie die rührende Einführung des Christenthums unter Karl dem Großen, wie er mit diesem Segen Tausende und Tausende über die scharfe Klinge hat springen lassen. – Reisen Sie von da weg nach Amerika, schlagen Sie die Geschichte auf, und sie wird ihnen die kläglichsten und jämmerlichsten Beispiele in einer Unzahl aufführen, wie allda die christlichen Segensfrüchte ausgesehen haben. Von da kehren Sie in meine Zeit, und betrachten Sie die segensvollen Gräuel des dreißigjährigen Religionskrieges, und ich bin überzeugt, Sie dürfen die Urgeschichte aller Völker mit kritischen Augen durchgehen, und ich verpflichte mich, Sie ewig auf meinen Armen herumzutragen, wenn Sie im Stande sind, mir irgend ähnliche Gräuelscenen ausfindig zu machen.

[GS 1.38.17] Der Mann spricht ganz demüthig verdutzt: Lieber, hochgeschätzter Freund, wenn es also ist, da bitte ich Dich, führe mich dahin; ich war doch als Studirender auf der Welt immer einer der Ausgezeichnetsten, und werde sicher auch in Deiner Schule nicht einer der Letzten sein.

[GS 1.40.9] Ihr fraget zwar: Warum denn in solch’ einer gar einsichtigen Einöde, und dazu noch in einem so moorigen und feuchten Winkel? – Meine lieben Freunde, mit solchen mühevoll aus der Hölle geretteten Geistern kann es Anfangs unmöglich besser gehalten werden, weil solche Menschen in der Hölle doch stets mehr oder weniger eben von der Hölle Etwas in sich aufgenommen haben, welches da gleichlautend ist dem Feuer der Hölle, und spricht sich stets mehr oder weniger aus in einer nothgedrungenen selbstsüchtigen Begierlichkeit; denn Solches hat ja bekanntlich jede Noth in sich eigenthümlich, daß sie selbst mehr oder weniger die Selbstsucht zur steten Begleiterin hat. – Wer in der Gefahr ist, der vergißt gewöhnlich auf Alles, und ist nur für seine eigene Rettung bedacht. Der Arme bettelt nur für sich, und der Kranke sucht für sich ein heilendes Mittel. Wer in’s Wasser fällt, der sucht sich zu retten; und über dessen Haupte die Flammen schon zusammenschlagen, der ergreift gewöhnlich nur sich selbst, und sucht dem verheerenden Elemente zu entfliehen: Erst wenn er selbst in Sicherheit ist, gedenkt er Anderer, die mit ihm ein gleiches Loos hatten.

[GS 1.43.8] Ja, meine lieben Freunde, nach irdischem Maßstabe wäre Solches freilich wohl naturmäßig richtig zu nehmen; – aber nach dem geistigen Maßstabe geht Solches durchgehends nicht an. – Ihr saget zwar: Hat denn der Geist seine Augen nicht zu schauen die Dinge, wie sie sind? – Warum muß er denn ein Ding nur von einer Seite erschauen wie es ist, und will er eben dasselbe Ding auch von der andern Seite beschauen, so ist es für ihn verschwunden, und so gut als gar nicht mehr da?

[GS 1.43.12] Damit ihr aber Solches noch deutlicher erschauet, so will ich euch die früher von Außen her erschaute Form mit dem nun inwendig Erschauten entsprechend erklären. Der Strom bedeutet hier durchgehends und somit allzeit sichtbar das geistige Leben für sich genommen, wie dieses ist bestehend aus der Liebe und Weisheit, oder was identisch ist, aus dem Glaubenswahren und Liebeguten. Der zuerst erschaute Hügel am rechten Ufer dieses Stromes bezeichnet an und für sich das Emporstreben der Weisheit; die sanfte Erhöhung bezeichnet, daß die Weisheit der Liebe entstammt. Die den Hügel einschließende Ringmauer bezeichnet, daß sich die Weisheit noch immer innerhalb einer gewissen Form bewegt; weil aber die Ringmauer vollkommen rund um den Hügel geht, so bezeichnet Solches, daß die Weisheitsform durch die Liebe gesänftet ist. Solches besagen auch die aus der Mauer hervorwachsenden Blätter, daß der Weisheitskreis mit Leben durchweht ist, welches ebenfalls die Liebe ist. Daß diese Mauer hier und da farbig durchsichtig ist, Solches bezeichnet die Einung der Liebe mit der Weisheit; die Bögen über dieser Ringmauer bezeichnen die Ordnung der Weisheit, wenn sie mit der Liebe vereiniget ist. Die fortlaufende Rinne über den Bögen bedeutet ein offenes Aufnahmsgefäß, welches ist ein Weg des Lichtes; die in dieser Rinne fortrollenden strahlenden Kugeln bezeichnen das wirkliche Leben, welches aus der Weisheit hervorgeht, wenn diese mit der Liebe vereiniget ist.

[GS 1.45.4] So besagt das Essen und Trinken die Aufnahme des Göttlichguten und Göttlichwahren; und derjenige Act, den ihr da sinnlicher Maßen als den Begattungsact kennet, besagt die Vereinigung des Liebeguten und Glaubenswahren zu einem liebthätigen Ersprießen. Die ganze Sache verhält sich hier so als Ursache, Wirkung und Zweck. Wer alsdann wirken will, der muß ja zuvor das wirkende Princip als eine Grundursache in sich aufnehmen; und Solches wird hier verstanden unter dem Insichnehmen der Nahrung.

[GS 1.54.11] Und unser Hauptredner spricht: O – lieber himmlisch hochgeschätzter Freund! Möchtest du denn nicht so gut sein und uns dahin begleiten? – Der vermeintliche Tafeldiener spricht: Solches ist nicht vonnöthen; denn ihr werdet bis dahin den Weg nicht verfehlen, ich aber will voraus ziehen so schnell wie ein Gedanke, und will euch dort empfangen und einführen! – Dort erst werden wir einige Worte über Johannes und Paulus näher beleuchten; und es wird sich zeigen, wer aus uns Allen der Wortkundigste ist. Also befolget meinen Rath, und ziehet dahin, Amen! – Sehet, der vermeintliche Tafeldiener ist plötzlich entschwunden, und unsere Gesellschaft fängt an den vorbezeichneten Weg freilich wohl noch so ziemlich verblüfft zu gehen; – wir aber wollen ihr auch folgen und Zeugen sein, was alles Denkwürdiges sich mit ihr noch zutragen wird.

[GS 1.56.12] Auf eine solche Antwort habe ich dann gleichwohl meine dummen Gedanken so viel als nur immer möglich zurückziehen müssen; denn ich sah es nur zu gut ein, daß man darüber auf der Welt nie in’s Klare kommen wird, darum ich mich denn auch allzeit mit der geistigen Welt vertröstet habe. – Ich habe freilich wohl dabei über die Worte Christi nachgedacht, der da nur gesagt hat, Solches sei Sein Leib, aber nicht Seine Gottheit. Jedoch auch Dieses nützte mir wenig; am besten kam ich noch daraus, wenn ich mir darunter ein lebendiges Brod aus den Himmeln vorstellte, welches dem gläubigen Menschen eine Speise zum ewigen Leben abgeben kann, – und lebte mit diesem Glauben, so gut es nur immer ging, bis zu meinem irdischen Ende.

[GS 1.62.4] Nun sehet aber, sie begeben sich zum Tischgebet; – worin besteht aber dieses? Wie ihr es selbst gar leicht hören könnt, besteht es in einem wohlgenährten Rosenkranze, und zudem noch nachfolgend in einigen lateinischen Pronunciationen aus den Psalmen und aus den Kirchenvätern, welche aber auch hier von keiner dieser Klosterdamen verstanden werden. – Sehet, die Oberin, setzt sich zu Tische; die Anderen machen vor ihr eine bodentiefe Verbeugung, und stehen dann wieder neben ihren Stühlen auf. Die Oberin, giebt das Zeichen zum Niedersitzen; und seht, die Oberin hat ein Glöckchen an der Seite, sie läutet so eben, und das ist das Zeichen, daß die Damen nun in die Schüssel greifen dürfen.

[GS 1.62.5] Aber dort vorn sehet ihr Eine stehen; diese darf jetzt nicht essen, sondern muß den Essenden die Leidensgeschichte des Herrn vorlesen. – Nun haben unsere Damen ihr körperliches Mahl beendet, und die Oberin läutet wieder. Damit will sie sagen, daß sie nun wieder Alle aufstehen sollen. Sie stehen auf, verbeugen sich abermals bodentief der Oberin, dann aber knien sie wieder nieder, und es wird das Dankgebet verrichtet, bestehend abermals aus einem wohlgenährten Rosenkranze. Diesem folgen stille hundert Ave Maria; sind diese auch im Verlaufe von etwa drei Viertelstunden herab gebetet, so werden wieder die lateinischen Gebete nachgebetet. Wenn sie nun fertig sind, so gehen sie hin vor das Kruzifix, legen sich vor demselben förmlich auf den Boden nieder; dann gehen sie hin zum Bildnisse der Maria, thun dasselbe, dann zum Bildniße des Joseph, wieder dasselbe thuend, hierauf zum Bildniß ihrer Ordensstifterin, der Theresia, thun abermals dasselbe, und nun erst gehen sie zu der Oberin als zur Theresia in corpore, und thun abermals dasselbe.

[GS 1.62.8] Die Oberin spricht: O du ungehorsames Kind! Wie hast du dein Herz so sehr vom Teufel einnehmen lassen können, daß du darob dich einer solch entsetzlichen Frage hast können ermächtigen? Weißt du denn nicht, daß vor dem jüngsten Tage Niemand in den Himmel kommen kann, und daß durch die Fürbitte der heiligsten Jungfrau Maria, der h. Theresia und in der Mitte dieser Beiden des h. Joseph Christus der Herr darum unserem Orden, weil er der allerstrengste ist, das Fegfeuer nachgelassen und uns dafür zur völligen Reinigung die Gnade verliehen hat, selbst nach unserem Leibesleben für die im selben begangenen läßlichen Sünden und Todsündflecken Seiner allerhöchsten Gerechtigkeit genug zu thun und uns völlig zu reinigen? Daher muß hier die Ordensregel unserer erhabenen Stifterin auf das Allerstrengste beobachtet werden; sonst dürfte es auch geschehen, daß ein solch ungehorsames Kind, wie du bist, am jüngsten Tage vor dem unerbittlichst allerstrengsten und gerechtesten Richter das Urtheil vernehmen möchte: „Weiche von Mir, du Verfluchte; denn Ich habe dich nie als Meine Schwester erkannt!“

[GS 1.67.9] Der Mönch spricht: Höret ihr! wie ich aus eueren Worten vernehme, so scheint ihr mit ketzerischen und verdammlichen Gesinnungen angefüllt zu sein; denn wer alles das, was zum allerhöchsten Dienste Gottes gehört, nicht für rein geistig, sondern für materiell betrachtet, der legt es ja schon offen an den Tag, daß er in Wort und That ein allzeit in die Grundhölle verdammlicher Ketzer ist. – Wenn bei euch das völlig der Ernst ist, was ihr hier ausgesprochen habt, da wird es wohl nothwendig sein, euch für alle Ewigkeiten aus diesem reinsten Tempel Gottes in die ewige Grundverdammniß hinaus zu stoßen; denn es heißt: „Einen ketzerischen Menschen sollst du fliehen,“ – und wieder heißt es: Einen solchen Ketzer sollt ihr aus der Gemeinde stoßen und ihn nach Paulus dem Teufel übergeben. Wißt ihr denn nicht, daß Derjenige, der da über die Einrichtungen der alleinseligmachenden Kirche loszieht, die allerderbste Sünde gegen den h. Geist begeht, welche Sünde ewig nimmer nachgelassen werden kann? – Daher erkläre dich deutlicher in diesem heiligen Orte, damit dich nicht die ewige Verdammniß treffe; denn wahrlich uns, den reinen Dienern Gottes ist es angenehmer, daß die ganze Welt verdammt würde, als daß die Heiligkeit des Himmels nur durch den kleinsten Sünder solle befleckt werden. Hier hat alle Gnade und Erbarmung ein Ende; wer nicht in dem wahren Sinne der Kirche rein ist, wie die Sonne am Himmel, der soll auch ewig nimmer in das Reich Gottes eingelassen werden.

[GS 1.67.13] Die römische Kirche sollte nicht von Petro gegründet sein, der doch in Rom selbst drei volle Jahre lang gelehrt, seinen Stuhl aufgerichtet und dort auch den Märtyrertod auf einem umgekehrten Kreuze genommen hat?! – Zudem befindet sich sein unverweslicher Leichnam noch heutiges Tages in der h. Gruft seiner Kirche in Rom, und sein Stuhl ist noch heutiges Tages des Papstes mächtiger Thron; und du höllischer Teufel kannst mir eine solche Frage geben, und getraust dich mir, einem reinen Diener Gottes, einen gesalbten Priester, so ganz keck in’s Gesicht zu treten? Ich beschwöre dich nun im Namen des dreieinigen Gottes, der seligsten Jungfrau Maria, des h. Josephs und im Namen aller heiligen Apostel, Jünger, Märtyrer, im Namen aller anderen Heiligen und im Namen der sämmtlichen römisch-katholischen allein seligmachenden Kirche, daß du abscheulicher Teufel mit deiner höllischen verdammten Gesellschaft diesen heiligen Ort fliehest; sonst rufe ich alle meine Brüder herbei, welche dahier ruhen im Paradiese und im Himmel sind, daß sie dich und deine verdammlichen Gesellen mit drei hochgeweihten Kruzifixen und mit anderen hochgeweihten kirchlichen Insignien so lange herum hetzen und vexiren sollen,- bis dir dieser Ort martervoller wird, als die allerunterste Hölle selbst. – O du verdammter Teufel du, du abscheulicher Teufel, du unchristlicher Teufel, du Betrüger aller Menschen, du Auswurf des siebenten Tages der Schöpfung, du ewig verdammte Creatur Gottes, weiche, weiche, weiche von hier!

[GS 1.68.2] Der Mönch spricht, indem er zuvor drei Kreuze über sich macht: Gott stehe mir bei! Ich habe oft gehört, daß die Anfechtungen des Teufels in der geistigen Welt noch um’s Tausendfache ärger sind, denn in der natürlichen, und daß man in der geistigen Welt wirklich erst von der großen Gewaltthätigkeit des Teufels einen wahren Begriff bekommt; und was ich darüber in den heiligen Büchern, welche verschiedene fromme und gottesfürchtige Menschen geschrieben, gelesen habe, das steht nun buchstäblich vor mir. Ich sage dir aber, du ewig abscheulicher Teufel, du fortwährender Betrüger Gottes und alles menschlichen Geschlechtes, meinst du, Gott läßt Sich betrügen? – Da irrst du dich; so wenig sich aber Gott betrügen läßt, so wenig lasse ich mich als ein allzeit getreuer Diener Gottes von dir betrügen, und ehe ich dir nachgeben werde, eher will ich mit der Hilfe Gottes und mit der Hilfe der allerseligsten Jungfrau Maria dir so lange Widerstand leisten, bis dich alle Geduld, mit mir noch länger zu kämpfen, verlassen wird. – Daher kannst du thun, was du willst; mich wirst du nicht meiner Kirche abtrünnig machen.

[GS 1.71.4] Wenn der Herr dann auf der Erde Seine Kirche und Seine Diener mit solcher Herrlichkeit ausstattet, um wie viel mehr wird Er Solches hier im Reiche der seligen Geister thun; – wenn Er demnach höhere Boten zu uns senden wird, da kannst du ja doch mit der größten Zuversicht erwarten, daß dergleichen Boten nicht in der Gestalt solcher wahrhaftiger Gassenreisser erscheinen werden, sondern mit großer Pracht und himmlischer Majestät. Denn es heißt ja in der Schrift, daß der Herr mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels einher ziehen wird; wie sollten demnach solche Gassenreisser Abgesandte Gottes sein? – Verkappte Boten der Hölle ja; aber nicht höhere Boten des Himmels. – Daher nur rechts hinüber in den Zwangthurm mit ihnen, der da gebaut ist aus lauter hochgeweihten Steinen, und es wird sich sogleich zeigen, wessen Geistes Kinder sie sind; denn solch’ ein geweihter Stein soll den Teufel um’s Tausendfache ärger brennen, denn die unterste Hölle.

[GS 1.74.2] Hast du während deiner ganzen geistlichen Amtsführung nie über Christum nachgedacht, und ist es dir nie vorgekommen, als könntest du Ihn so recht aus allen deinen Kräften lieben? – Siehe, das ist eine einfache Frage, welche du beinahe mit Ja oder Nein beantworten kannst; nur muß dabei die lebendige Wahrheit zu Grunde liegen.

4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Desktop Impressum