Help

jakob-lorber.cc

3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Treffer 120 - 140 von 535

[NS 61.12] Aus welchem Material sind denn die Häuser gebaut? Durchgehends aus behauenen Steinen; die Fenster der Zimmer sind hoch, aber nicht zu breit, und sind ebenfalls mit einem elastischen Naturglase von der Art wie etwa euer Frauenglas versehen, welches ebenfalls in Rahmen gewöhnlich aus Metall eingefaßt ist. Die Farbe dieses Glases ist verschieden, je nachdem es die freie Werkstätte der Natur liefert. Die Bewohner haben zwar auch ein künstliches Glas; dieses aber verwenden sie zu ganz anderen Zwecken, wovon noch später die Erwähnung geschehen wird. —

[NS 62.14] Im Grunde ist hier kein Vorstand, sondern Alles beruht auf dem gegenseitigen Uebereinkommen; dessen ungeachtet werden aber dennoch die Aeltesten des Dorfes, welche auch zugleich Priester und Lehrer sind, in wichtigen Fällen als Rathgeber betrachtet, und wenn sie zusammen etwas beschlossen haben, so wird ein solcher Beschluß von der ganzen Gemeinde unwiderruflich angenommen. —

[NS 65.1] Bei den Bewohnern dieses Planeten giebt es durchgehends keinen ceremoniellen sogenannten Gottesdienst, und ihr ganzes Religionswesen hat nichts Anderes aufzuweisen, als allein die innere Erkenntniß eines Gottes. —

[NS 67.8] Wie stehen denn solche Gesellschaften sich gegenseitig im Verbande? — Ueberaus freundschaftlich, wenn sie zusammenkommen; denn Solches giebt bei ihnen keinen Unterschied, und am allerwenigsten einen solchen, den die Bewohner dieser Erde finden, indem sie mit den dunkler gefärbten Brüdern wie mit den Thieren einen Handel treiben. — Im Gegentheile, ein Mensch von einer andern Farbe wird von einem andern wieder anders Gefärbten stets höher geachtet, denn ein gleichgefärbter, und das zwar aus dem Grunde, weil die Bewohner also glauben, daß der große Schöpfer dadurch einen neuen Beweis von Seiner unzugänglichen Weisheit habe anzeigen wollen; daher studiren dann diese Menschen emsig nach, ob sie nicht irgend eine Spur finden könnten, um aus ihr oder in ihr zu erfahren, welche allerweiseste Absicht der große allmächtige Schöpfer etwa mit dieser Färbung gehabt haben dürfte. Aus eben dem Grunde besprechen sie sich auch sorgfältigst mit einem solchen anders gefärbten Menschen, um etwa durch seine Aeußerungen der innern Weisheit auf die Spur zu kommen; und da ist dann jedes Wort aus dem Munde eines solchen anders Gefärbten wie ein gefundener Schatz, welcher nach allen Seiten sorgfältig betrachtet wird, und wird dann zergliedert und gezählt bis auf den innersten Grund. —

[NS 70.19] Somit wären wir auch mit der Darstellung der Religion der Menschen dieses Gürtels zu Ende, und wollen daher nächstens nur noch Einiges von ihrer Zeugung, Geburt, Ehe und ihrem Absterben sprechen, und sodann uns zur inneren Sonne begeben, welche wir so kurz als nur immer möglich im Allgemeinen durchgehen wollen; und so lassen wir es für heute wieder gut sein! -

[GS 1.12.10] Weiter könnt ihr aus diesem ersten Bilde auch eine tüchtige Löse des in der Sphäre des sechsten Geistes Geschauten finden; wenn ihr die Geschichte der Bemühungen des Drachen nach der Offenbarung Johannis durchgehet, da werdet ihr doch etwa auch mit den Händen greifen können, wie oft sich derselbe schon die Mühe gemacht hat, von Neuem wieder aus seinem Abgrunde empor zu tauchen, oder im heutigen ersten Bilde die Spitze eines oder des anderen Berges zu erklimmen; was aber war noch allzeit die Folge solch’ seiner Bemühung?

[GS 1.13.4] Ein Kind, in einer solchen ceremonienvollen Kirche geboren und getauft, wird in geistiger Hinsicht schon in eine solche Schaukel gelegt; und wenn es darin ist, wird die Schaukel auch sobald nach und nach in eine immer größere Bewegung gesetzt. Bei solcher Bewegung meint dann der Mensch, weiß der Himmel, welche große Fortschritte er macht und wie vorwärts er geht! – Allein ein Jeder sieht es auf den ersten Blick leicht ein, wie weit eine solche Reise gehen wird! – Zwischen zwei Pfeilern hängt unser Luftschiff; der eine Pfeiler bedeutet den sogenannten Religionsfelsen, der andere Pfeiler aber die staatlich politische Nothwendigkeit. – Diese beiden sind so fest als möglich gestellt, und durch Querbalken mit einander verbunden. So geht denn hernach die Reise zwischen diesen zwei Pfeilern hindurch, und man kann sich nicht um ein Haar weiter bewegen, als der Strick reichet, an dem die vielsagende Schaukel hängt. – Manchen Schaukelnden wird bald übel, und wenn sie den ersten Ruhepunkt der Schaukel erhaschen können, springen sie hinaus. Einige kehren für allzeit solchem Fahrzeuge den Rücken; nur die Schaukelinteressenten bleiben pro forma darinnen sitzen, lassen sich nur ganz gemächlich zum Scheine hin und her ziehen, und lobpreisen über all’ die Maßen solche Bewegung, wie zuträglich sie der Gesundheit ist, und locken dadurch die Fremden, und sagen auch denjenigen, die so thöricht sind, dieses Fahrzeug wieder zu besteigen: Wollt ihr den wahren Hochgenuß, und somit die vollkommene Befriedigung solcher Fahrt empfinden, so müßt ihr euch die Augen verbinden lassen; – da Solches dann viele Thoren anlockt, die da in der Schaukel mit verbundenen Augen sitzen, so geschieht es denn, daß diese enthusiastisch auszurufen anfangen, und sagen: Ja, jetzt begreifen wir erst, was da für große Geheimnisse hinter dieser Einförmigkeit stecken; denn jetzt hat das Hin- und Herbewegen aufgehört, und wir fliegen mit Blitzesschnelle endlose Räume hindurch! – das heißt doch ein Wunder sein; wer hätte sich das je träumen lassen, daß hinter solcher Einförmigkeit solch’ Großes verborgen liegt?

[GS 1.13.7] Wir werden die Sache auf eine ganz leichte Art berechnen. Sehet, die uns zunächst liegende Schaukel schwingt sich nun sehr stark, erreicht beinahe links und rechts die volle Halbkreishöhe – aber sehet, durch dieses starke Schaukeln wackeln die Pfeiler schon überaus mit der Schaukel, und die starke Reibung hat schon sehr viele Fäden des Schwungstrickes durchgefressen. – Sehet, solchen Leibschaden und solchen Leck unseres Luftschiffes bemerken sogar die Interessenten; daher getrauen sie sich demselben keinen gar zu starken Schwung mehr zu geben, denn sie sagen: Wenn wir die Sache zu hoch treiben, so reißen die Stricke, und wir liegen sammt unseren Passagieren entweder im Feuer oder auf den Spießen; – daher lenken wir die Sache unvermerkt dem Ruhepunkte zu, und fügen uns, mehr gemeine Sache machend, ebenfalls unvermerkt den Protestanten, und lassen die Sache gehen, so lange es geht; denn wir sehen gar wohl ein, daß da mit Gewaltstreichen nicht mehr viel zu erreichen ist.

[GS 1.14.9] Aber sehet ferner hin; da giebt es noch mehrere wenig betretene Bahnen. Ihre Bahnchefs werden von den Hauptbahnchefs gewisserart nur geduldet; daher sitzen diese auch ganz still bei ihren Bahnen. Kommt ein Wallfahrer zu einem oder dem andern, so ist es wohl und gut; kommt aber Niemand, so lassen sie sich darum auch kein graues Haar wachsen; denn sie stehen im Grunde nicht auf den Bahnertrag an, sondern sie unterhalten sich so ganz gemächlich mit ihren allerlei Krambuden, die sie bei ihren Bahnen aufgestellt haben. Werden sie von Jemandem ganz heimlich gefragt: Ist diese deine Bahn die richtige? so sagen sie ganz gleichgiltig: Wenn diese nicht die richtige ist, welche solle es denn sein? – Und sehet, also ist diese Kreisbahnebene umlagert von lauter Bahnchefs, Großen, Schreienden, Beklagenden, Schweigenden, Heimlichthuenden; mit Ausnahme einer einzigen Bahn, welche nämlich die schmalste ist, findet ihr überall Wandler und Zielsucher. Da aber zu Ende alle Bahnen eingezäunt sind, so geschieht es, daß alle diese Bahnwandler am Ende an die Wand des Gezeltes anstoßen; nur zur Thüre gelangt Keiner. Und so Viele ihr eilig dahin wandeln sehet, eben so Viele werden an der schroffen Wand wieder abgestumpft, und suchen umkehrend wieder die Freiheit, indem sie durch ihr Bemühen nichts erreicht haben; und Alles drängt sich hin zum jenigen Bahnchef, der da gegen klingende Münze Wechsel ausstellt. Und sehet, sogar alle die übrigen Bahnchefs senden unvermerkt ihre Adjuncten mit Beuteln voll Silbers und Goldes hin, und lassen sich von ihm dafür Wechsel ausstellen;

[GS 1.14.12] Sehet, eine Menge zieht sich schon um den Wall herum, und verfolgt mit ihren Augen die Bahn; und die Bahnchefs begreifen nicht, was dieses Herumwandeln bedeutet? – Aber wehe Allen, wenn diese glücklichen Spione den richtigen Gang der schmalen Bahn werden ausgekundschaftet haben; dann wird es arg mit ihnen sein; denn sie werden zur Rechenschaft gezogen werden; alle ihre Bahnen werden zerstöret, und werden gleichgemacht werden der engen Bahn; und der unansehnlichste Bahnchef wird alles Geschäft an sich ziehen.

[GS 1.15.10] Und sehet, Mancher aus ihnen sagt: Sehet, dort gegen Morgen hin eben nicht gar zu ferne von hier sind Berge; wer weiß es nicht aus uns, daß Berge stets gute Quellen haben? Ziehen wir daher nur schnurgerade darauf los hin, und wir werden sicher ein reineres und lebendigeres Wasser antreffen, als da ist diese alte durch das Wasserrad ab- und durchgepeitschte lebende Suppe; und sehet, wie da eine ganze Menge sich vom großen Bassin heimlich aus dem Staube macht, und sich hinzieht gegen die Berge. – Dieses ist schon ein günstiges Zeichen. – Aber wir wollen uns dessen unbeachtet noch bei unserem Wasserbassin aufhalten, und da noch ein wenig zusehen, was Alles da noch vor sich geht.

[GS 1.18.2] Aus diesen könnt ihr nun ersehen, daß das von euch Geschaute weder die Hölle noch die Nichthölle, sondern nur das Höllischgeartete des Lasters erscheinlich ist; – und da wir nun Solches wissen, so verfügen wir uns mit eben dieser Kenntniß zum nächsten vorbesagten Thale.

[GS 1.18.17] Ihr fraget noch: Wer sind denn dann die vielen Armseligen, die da fleißig abgefangen werden, und warum ist der Spieß zweischneidig? – Die vielen Armseligen sind allerlei Menschen; ein Theil, die dem Fange zunächst ausgestellt sind, sind die Kleinhändler, ein Theil, welche ihre Producte nothgedrungen an einen solchen Großspeculanten abliefern müssen, ein dritter Theil sind allerlei arme auswärtige Völker, die mit solch’ einem Hause in Handelsverbindungen stehen, ein vierter Theil sind andere kauflustige Menschen, ein fünfter Theil anderweitige Handelscompagnons, ein sechster Theil die dem Hause dienende Classe, und noch ein siebenter Theil sind solche, die unter allerlei Rücksichten und Beziehungen von einem solchen Hause abhängen. Für alle diese Classen ist der zweischneidige Spieß in steter Bereitschaft; – aber wir hätten bald vergessen, was die doppelte Schneide des Spießes bedeutet?

[GS 1.22.3] Solches ist richtig, meine lieben Freunde und Brüder, so lang man noch knapp am Ufer steht und noch eine große Menge Gegenstände und festes Land um sich erblickt, und des Wassers Oberfläche ganz spiegelruhig dasteht; aber wenn man so recht in die weite Ferne hinausgekommen ist, und die Oberfläche dieses Gewässers stets wogender wird, da muß man sich wohl ganz zusammen nehmen, um nicht wasserscheu zu werden und dabei das Gleichgewicht zu verlieren. Jedoch so fest als das Wasser hier ist, so fest bleibt es allenthalben; und so denn versuchen wir unsere Reise fortzusetzen. – Haltet euch aber nur so recht fest an mich an, und machet keine furchtsamen, sondern recht feste Tritte; denn mit zarten Tritten würdet ihr da nicht viel ausrichten. – Denn wie ihr sehet, ist die Oberfläche des Wassers überaus glitschglatt; und so man da die Füße nicht fest stellt, kann man leichtlich ausgleiten und fallen, wo es Einem dann auf diesem glatten Boden recht viele Mühe macht, sich wieder empor zu richten. Nun, wir sind fest bei Fuß; und wie ich sehe, so macht ihr recht gute Fortschritte.

[GS 1.23.1] Da wir uns hier gehörig von unserer Reise ausgeruht haben, und haben bei dieser Gelegenheit so manchen weitgedehnten Rückblick dahin senden können, von wannen wir hergekommen sind, so wird uns die Weiterreise ja eben keine so großen Beschwerden mehr machen. – Sehet, da zieht sich sogleich ein so ziemlich breites Thal mit einer kleinen Meereseinbuchtung versehen landeinwärts; – also machen wir unseren Weg zur rechten Seite der Bucht vorwärts. Hier möget ihr schon wieder freier wandeln; denn nun haben wir festen Boden. – Da seht einmal ganz in die Tiefe des Thales hinein nach vorwärts, allda es sich ganz zusammen engt. Dorthin müßten wir sobald gelangen, und unsere erste kleine Station machen; also nur munter darauf los geschritten, und wir werden sobald an Ort und Stelle sein. – Sehet, wie das Thal immer enger und enger wird, und von allen Seiten her die furchterregendsten Hochgebirgsfelsen also herab hängen, als wollten sie jeden Augenblick herabstürzen. Allein laßt euch alles Dessen nicht bange werden; es wird Niemanden dabei auch nur ein Haar gekrümmt werden.

[GS 1.27.9] Es muß demnach mit dieser Liebe eine andere Bewandtniß haben, und das göttliche Centrum kann sich dann gar wohl in der menschlichen Form äußern; wenn es aber mit dieser von euch dargestellten Liebe nur die hungernde Bewandtniß hat, so müßt ihr es ja doch mit den Händen greifen, in welchen Händen sich da die ganze Wesenheit aller Dinge befinden dürfte, wenn die unendliche Macht und Kraft gleichsam nothgedrungen sich an ihnen sättigen sollte.

[GS 1.28.4] Sehet, dort ziemlich weit noch im Hintergrund steigt eine gerade hohe Steinwand auf; allda hat unser Thalwerk links und rechts auch ein Ende. Diese Wand öffnet sich zuweilen, und bildet einen ziemlich geräumigen Sprung. Wenn man zu der Zeit hinzu kommt, so kann man da weiter dringen; wenn man aber nicht einen solchen Zeitpunkt trifft, so ist da kein Durchgang möglich. Ihr saget: auch nicht auf die Weise, wie wir uns in der nördlichen Gegend auf die Berge gehoben haben? – Ich sage euch: Hier auch auf diese Weise nicht, und das zwar aus dem Grunde, weil ihr noch Irdisches an euch habet. Wir werden aber ohnehin den Zeitpunkt antreffen, da sich die Wand öffnen wird, und da hinter der Wand sich also gleich eine überaus große Ebene ausbreitet, so werden wir bis zur Zeit des Sich-wieder-Schließens der Wand leichtlich durch die ziemlich weite Spalte kommen. – Und sehet, hier sind wir schon bei der Wand; geduldet euch nur ein wenig, und alsbald soll sie sich öffnen. Ich sage nun: Thue dich auf! – Und sehet, schon trennt sich die mächtige Wand; nun ist die Spalte groß genug, also nur hurtig durchgesetzt! Wir haben die Spalte glücklich passirt, und nun seht euch um, wie die Wand schon wieder fest geschlossen ist.

[GS 1.29.7] Da du mir aber schon deine Meinung in dieser Hinsicht kund gethan hast, so will ich dir mich auch näher aufschließen, und will dir kund geben, was ich bei mir in meinem Leibesleben eben nicht selten gedacht habe, und dieses Gedachte lautet also: Die Römer, namentlich der römische Priesterstand hat es ganz heimlich gemerkt, daß es für die Länge mit all’ ihren Gottheiten sich nicht mehr thun wird; – so suchten sie nach und nach für das stets mehr sinnlich gewordene Volk eine sinnlichere Mythe, machten es dabei also, daß sie vorgaben, als habe sich der oberste Gott Jupiter der Menschheit überaus erbarmet; und da unter allen Völkerstämmen die jüdische Nation am entferntesten war dem wahren Götterthume, so habe sich Jupiter selbst herabgelassen, und habe sich in die Gestalt eines Juden begeben, und das Volk gelehrt die Wahrheit der rechten Gotteslehre Roms. Solche Lehre war den Juden ein Gräuel, besonders weil sie die Römer zu der Zeit gar übel im Magen hatten. – Sie boten daher Alles auf, um diesen wahren Gott Jupiter in der menschlichen Gestalt zu verdächtigen. Pilatus wußte gar wohl, was hinter Christus stecket; darum habe er Ihn auch so viel als möglich vertheidigt. Da aber die Juden sich durchaus nicht besänftigen ließen, und den Pilatus als einen Mitrebellen bei dem Kaiser zu verklagen drohten, so dachte Pilatus bei sich selbst: Ich übergebe euch den Allmächtigen; Er wird es sicher besser wissen, als ich, was er mit Sich wird machen lassen; und dieser hatte Sich dann pro forma auf die römische Art von den Juden kreuzigen lassen, und stand aber dann als Jupiter gar leichtlich wieder vom Tode auf, und ließ dann den Hohenpriestern zu Rom melden, was sie nun zu thun hätten. Diesen Priestern war das ein gewünschtes Wasser auf ihre Mühle, und sie lehrten dann das Volk also, wie sie sich diese Mythe im Einverständnisse mit den Römern im Judenlande ausgedacht hatten; erdichteten mit der Zeit noch eine Menge Blutzeugen hinzu, und mochten wohl auch im Einverständnisse mit den Kaisern entweder einige wirkliche oder blinde Grausamkeiten ausgeübt haben, und schwatzten hernach dem dummen Volke eine Menge Wundererscheinungen bei solchen Gelegenheiten vor; – und so ging das alte schon morsch gewordene Heidenthum unter immer demselben Pontificate auf uns über, und wir sind nothgedrungen Tölpel genug gewesen, solch’ einen wahren Philisterstreich als baare Münze anzunehmen; – dafür aber repräsentirt sich meinen Erachtens hier auch ganz vollkommen der Lohn unseres neucreirten Heidenthums.

[GS 1.29.9] Der B spricht: Mein geschätzter Freund! in dieser Hinsicht bist du viel zu wenig eingeweiht in die geheimen Schleichwege des Priesterthums. Siehe, du hast in der Geschichte wohl gelesen, daß sich verschiedene römische Kaiser allerthätigst gegen die Einführung dieser Religion gesetzt haben; nenne mir aber auch einen römischen Pontifex, der sich namentlich dawider gesträubt hätte. – Siehe, also war die Sache fein abgekartet, und diese neucreirte Religion hätte nie einen besseren Eingang gefunden, als eben durch die nothwendig scheinbare grausame Widersträubung der römischen Kaiser. – Daß diese neucreirte Religion auch auf das Judenthum basirt wurde, hat ja den mit Händen zu greifenden Grund, weil die römischen Weisen bei der Gelegenheit ihrer vielseitigen Eroberungen eine hinreichende Gelegenheit hatten, mit vielen Religionen Bekanntschaft zu machen, und konnten dadurch sehr leicht finden, daß eine neu zu creirende Religion auf keine besser zu basiren ist, denn gerade auf diese jüdische. Darum haben sie auch ihren menschgewordenen Zeus aus sehr weisen Gründen im Judenlande auftreten lassen; denn sie wußten es genau, daß es mit allen anderen Religionen ein noch morscheres Verhältniß habe, denn mit der ihrigen.

[GS 1.30.2] Horchet nun, was diese Zwei mit einander Alles abmachen werden. – Sie spricht: Grüß’ euch der liebe Himmel! Mich freut es recht von ganzem Herzen, daß uns der liebe Zufall endlich einmal zusammen getragen hat! Aber ich muß Ihnen gestehen, auf solch’ einem Orte hätte ich nicht geglaubt, Sie zu treffen; denn ich habe immer geglaubt, Sie sind schon Gott weiß wie selig im Himmel, weil Sie, soviel ich mich erinnern kann, auf der Welt ein gar so frommer und rechtschaffener Mann waren. Sie waren ja ein hochgelehrter Herr Professor für die Geistlichkeit, und es sind von Ihnen so viele brave und würdige Geistliche in die Seelsorge übergegangen; und nun, du mein lieber Himmel – muß ich Sie so elend hier in diesem miserablen Orte antreffen, in welchen ich, weiß der liebe Gott warum, auch vor zwei Monaten gekommen bin.

3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Desktop Impressum