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Die geistige Sonne

(Am 2. Mai 1843, von 4 3/4 – 6 3/4 Uhr Abends.)

[2.2.1] Sehet, unser allererhabenster Führer zieht mit den Dreien hin auf die Höhe, welche, wie schon zuvor bezeichnet wurde, dießmal von einer noch stärkeren Glorie umflossen ist; und wie ihr sehet, so geht der erhabene Zug auch hurtig weiter.

[2.2.2] Aber nun sehet auch so ein wenig auf unsere Morgengegend hin, und da namentlich auf die Höhen der Hügel, und betrachtet dort, welch’ eine zahllose Menge allerseligster Engelsgeister in mehr denn sonnenglänzenden Gewändern, dem Herrn mit ihren Händen freundlichst entgegen winkend, den neu Ankommenden zu verstehen giebt, wer Der ist, der die Drei nach Hause führt! – Psalmen ertönen von allen Seiten, und seligste Jubelrufe strömen uns entgegen; und das Alles, um ganz besonders den Neuangekommenen zu zeigen, was der Herr ist in seinem Hause!

[2.2.3] Ihr saget und fraget hier zwar: Die Sache sieht so aus, als wenn der Herr aus Liebe zu diesen Dreien auf eine kurze Dauer den ganzen obersten Himmel verlassen hätte; und wenn Er nun nach Hause kehrt, sich alle diese himmlischen seligen Engelsheere über die Maßen seligst jubelnd freuen, daß der Herr und heilige, liebevollste Vater von einer solchen Ernte-Reise wieder heimkehrt.

[2.2.4] Ich sage euch: Bei so gewissen Gelegenheiten hat Solches auch so einen Sinn; denn bei solchen Erlösungen macht es der Herr nicht selten wirklich also, als verreisete Er Sich aus dem Morgen, und nach einer solchen Verreisung ist er dann auch außer in der stets sichtbaren Gnadensonne persönlich wesenhaft in dem ganzen unendlichen himmlischen Morgenreiche nirgends zu erschauen.

[2.2.5] Dieser Zustand, in welchem während einer solchen Abwesenheit die seligsten Geister den Herrn nicht sehen, wird eine Wonneruhe genannt; denn in diesem Zustande werden alle die Seligen durch sich selbst wieder zu einer höheren Seligkeit vorbereitet, und die große Sehnsucht, mit welcher sie den Herrn erwarten, ist dasjenige, was sie vorbereitet.

[2.2.6] Aus diesem Grunde aber sehen wir nun auch die ganze endlos weit gedehnte Morgengegend vor unseren Augen wie in Ein Leben übergegangen; denn von allen endlosen Räumen dieses Himmels strömen die Engelsgeister herbei, um den nun anlangenden Vater mit dem allerheißliebensten Herzen zu empfangen.

[2.2.7] Nun aber richten wir auch einen Blick auf unsere überaus erstaunte Gesellschaft. Der Prior wendet sich zum Herrn, und spricht: O Du endlos heiliger und allerliebevollster Vater; – Was um Deines heiligen Willens wegen ist denn das? – Sind das lauter allerhöchst selige Engelsregister, oder ist das Alles nur eine Erscheinlichkeit? Denn es ist ja doch beinahe kaum anzunehmen, daß bei der außerordentlich großen Bosheit der Menschen auf der Erde Deine allerhöchsten Himmel also bevölkert sein sollten. – Denn auf der Erde wußten wir aus dem Munde frommer in den reinen Geist verzückter Menschen, daß nur ganz entsetzlich außerordentlich Wenige in diesen allerhöchsten Himmel gelangen; etwas mehr in die zwei unteren Himmel, sehr Viele in den sogenannten Reinigungsort, und gar sehr außerordentlich Viele, – o Herr, behüte uns davor, – in die Hölle!

[2.2.8] Da die Erde nur etwas über fünftausend Jahre das Menschengeschlecht trägt, so ist diese Erscheinung von der Unzahl der hier nun sichtbaren Geister nicht begreiflich; denn es sind ihrer hier ja nur nach einem oberflächlichen Augenmaße genommen so viele, daß sie Mann an Mann gestellt eine ganze Million von Jahren von Jahr zu Jahr abwechselnd und sich fortwährend neu ersetzend, die Erde also anfüllen möchten, daß zwischen ihnen sicher kein Apfel, der unter sie fiele, auf den Boden käme. O Herr und allerbester und liebevollster Vater! das ist für mich ein ganz entsetzlich unbegreiflicher Anblick! – es müßten nur auch in Deinem obersten Himmel vollkommene Zeugungen Statt finden; sonst ist mir die Sache rein unbegreiflich.

[2.2.9] Der Herr spricht: Ja, Mein lieber Sohn, Du wirst in Meinem Hause auf noch so manche Erscheinungen stoßen, die Dir noch viel unbegreiflicher vorkommen werden, denn diese; aber sie sind nichts Weniger als etwa pure Erscheinungen, sondern die aller vollkommenste und allergediegenste Wahrheit.

[2.2.10] Hier giebt es durchgehends keine Augentäuschungen, wie auch keine Spiegelfechtereien, sondern Alles, was Du hier siehst, ist vollkommen fest und handgreiflich wahr; denn im Reiche der Liebe ist Alles vollkommen truglos und in seine möglichst engste Schranke in sich vereint, daher sind auch diese Geister so gut, wie nun Du, vollkommen wahre Wesen, und sind Alle sammt und sämmtlich Meine lieben Kinder!

[2.2.11] Wenn Du den Maßstab von all’ diesen Kindern allein auf Deine Erde ausdehnst, da dürftest Du mit Deiner Rechnung freilich wohl etwas zu kurz kommen; denn Meiner Kinder von der Erde sind freilich nicht so viele hier, und welche von da sind, diese sind ausschließend Bewohner Meiner heiligen Stadt.

[2.2.12] Wenn Du aber je auf der Erde bei einer heiteren Nacht den gestirnten Himmel betrachtet hast, so wirst Du Dich doch von der zahllosen Menge der Gestirne überzeugt haben; – und meinst Du, diese Gestirne seien bloß glänzende Punkte am unermeßlichen Himmel? – Siehe, das sind ebenfalls zahllose Welten, auf denen überall die gleichen Menschen wohnen, und erkennen Mich überall als den Herrn Himmels und ihrer Welt!

[2.2.13] Siehe, die Kinder der Erde sind Mir am nächsten, weil Ich sie dort wesenhaft persönlich im Fleische zu Meinen ersten Kindern gemacht habe; und sie sind demnach hier nach Mir Diejenigen, welche da richten die zwölf Geschlechter Israels, welches in dieser allerhöchst himmlisch weitesten und geistig allerinwendigsten Bedeutung soviel besagt, als:

[2.2.14] Diesen Meinen Kindern ist es von Mir aus gegeben mit Mir zu beherrschen, zu erforschen und zu richten die Unendlichkeit und alle zahllosen Schöpfungen in ihr; und die Kinder aus den anderen Gestirnen stehen ihnen also zu Diensten, wie die Glieder eines Leibes zum Dienste des Willens im Geiste allzeit bereit stehen. Daher bilden diese Geister mit einem Meiner Kinder in großem Maßstabe der Liebethätigkeit nach genommen wie Einen Menschen, versehen mit allen zum Bedarfe seines Willens nothwendigen Gliedern.

[2.2.15] Demnach ist ein Kind von der Erde aus Mir gehend ein vollkommener Wille von zahllosen anderen Geistern aus den Gestirnen, die zwar an und für sich auch ein Jeder seinen eigenen Willen haben, und können thun nach ihrer freien wonnigen Lust, was sie wollen; dennoch aber geht in liebewirkenden Fällen der Wille Meiner Hauptkinder in sie Alle aus und ein, und dann sind sie zu Milliarden wie ein Mensch, dessen wirkender Willensgeist eines Meiner Kinder ist! – Solches verstehst du nun freilich noch nicht so ganz und gar, aber mache dir vor der Hand nichts daraus; denn in Meiner ewigen Wohnstadt giebt es noch gar viele Hochschulen, in welchen du noch so manches Neue wirst kennen lernen.

[2.2.16] Für jetzt aber begnüge dich auf deine Frage mit dieser Meiner Liebeantwort, und gehe nun mit Mir sammt deinem Weibe und deinem Bruder in diese Meine Hütte, die wir so eben erreicht haben; allda sollst du zuerst in Meinem Reiche an Meinem Tische speisen, und genießen das ewig wahre Brod und das allerlebendigste Wasser, – und so denn gehet mit Mir in die Wohnung!

[2.2.17] Sehet, Alle begeben sich hinein, und der Prior macht große Augen, als er in der Hütte diese goldene Einfachheit antrifft, versehen mit ganz ländlich ordinärem Hausgeräthe; – und der Herr fragt ihn: Nun, Mein geliebtester Sohn, wie gefällt dir Mein Hauswesen? – Der Prior spricht: O Herr, Du allerliebevollster, heiligster Vater. Da gefällt es mir gar überaus wohl; denn es sieht doch wahrhaftig also aus, als wenn man sich auf der Erde in einer reinlichen friedlichen Keuschlershütte befände. Aber nur kommt es mir wirklich überaus wunderbarlich vor, wie Du, o allerbester, allerheiligster Vater, Dem doch alle himmlischen und weltlichen Herrlichkeiten zu eigen sind, Dich mit einer solchen einfachsten Behausung begnügen magst! – Fürwahr, das macht Dich ja noch um’s Unaussprechliche liebenswürdiger und heiliger, als sich der allervollkommenste Geist nur im allergeringsten Theile davon vorzustellen vermag.

[2.2.18] Der Herr spricht: Ja sieh’, Mein geliebtester Sohn, bei Mir heißt es denn doch auch und das sicher mit Recht: Sapienti pauca sufficiunt! Der Prior beugt sich vor lauter Liebe zur Erde, und spricht in gänzlicher Zerflossenheit seines Gemüthes: O Du allerbester, liebevollster, heiligster Vater! Nicht Sapienti, sondern: quam maxime aeterne sapientissimo! – Und das sind, o Herr und mein allerliebevollster, heiliger Vater, sicher nicht pauca, sondern ebenfalls quam maxime immense multa! – Denn diese an und für sich einfachen und wenigen Sachen sind sicher in sich von so entsetzlich außerordentlicher, wunderbarer Bedeutung, daß ich davon wohl ewig kaum den geringsten Theil erfassen werde.

[2.2.19] Der Herr spricht: Mein lieber Sohn! Stelle dich nur wieder gerade, und es wird sich nach dem eingenommenen Mahle an Meinem Tische schon gar bald zeigen, wie viel du von diesem Wenigen auf einmal wirst zu fassen im Stande sein. Mache aber mit der Mahlzeit kein großes Wesen; denn hier wirst du finden, wie im buchstäblichen Sinne des Wortes und der Bedeutung die kurzen Haare bald gebürstet sind. Denn von den sogenannten großen himmlischen Freßtafeln ist hier keine Rede, sondern hier speiset man ganz einfach, und lebt, so zu sagen, bei Brod und Wasser. Aber du wirst es an meinen Kindern gar bald entdecken, daß sie bei dieser einfachen Kost überaus gut aussehen. – Daher setze dich nur zum Tische; denn dieser ist schon mit Brod und Wasser versehen, und esse und trinke, so wie du Mich essen und trinken wirst sehen.

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