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[FL 0.5] Ein Flügelpaar, zart, gleich dem Aether, hab' Ich ihr gegeben, / Damit sie sich sollte gar leicht in die Lüfte erheben, / Und kreisen da munteren Flugs in den Strahlen der Sonne, / Und saugen da Licht mit den Äuglein der goldenen Krone, / Dann tragen dasselbe zum Leben der toten Gebilde / Und zeugen der Härte von Meiner belebenden Milde.

[FL 1.9] Alle diejenigen Eierchen, welche entweder an feuchten Mauerstellen der Häuser, vorzugsweise der Thierstallungen, oder an faulem Holze, oder was immer anderem, Moderfeuchtigkeit Haltendem, gelegt werden, kommen fast meistens davon, was aber da ein Raub der Winde und des Wassers geworden ist, davon werden freilich wohl unbeschreiblich wenige zu Fliegen ausgebrütet; obschon dessen ungeachtet nichts verloren geht, daß es eine andere weise Bestimmung verfehlen sollte, ja sogar diejenigen nicht, welche von Menschen und Thieren nicht selten zu Millionen mit einem Athemzuge eingeathmet werden; — doch lassen wir diejenigen, welche denen andern vielen Bestimmungen zugeführt werden, und wenden uns sobald zu denjenigen, welche da ausgebrütet werden.

[FL 1.12] Die Eierchen springen da auf, von den erwachten Geistern der in einem solchen Eierchen angesammelten, ordnungsmäßigen Vorgangsthierchen genöthigt. Diese Geister vereinigen sich in der Gestalt eines kaum sichtbaren kleinen weißlichten Würmchens zu einem Leben. Dieses Würmchen nährt sich dann einige Tage von der Feuchtigkeit der Stelle, da es ausgebrütet wurde, welche Nahrungszeit eben nicht gerade bestimmt ist, sondern allzeit von dem Umstand der Reichlichkeit des vorhandenen Nahrungsstoffes abhängt.

[FL 1.14] Ich habe euch aber gleich Anfangs gefragt, ob ihr noch nie eine junge Fliege gesehen habt? — Sehet, darin liegt das eigentliche Wunder dieses Thierchens begraben: Es ist auf einmal da, und ganz vollkommen ausgebildet, und Niemand weiß nun, woher es kam, und wo dessen Geburtsort ist;

[FL 1.17] denn so das Würmchen einmal die rechte Größe erhielt, welche ungefähr die Ausdehnung hat, als ein kleiner Beistrich bei einer mittelmäßig großen Schrift, sodann zerplatzt das Würmchen, und zerleget dadurch das Innere nach Außen; allwann dann die frühere Außenhaut des Würmchens zum eigentlichen Leibe der Fliege sich ausdehnt, wohlversehen mit allen den inneren Verdauungsgefäßen; die frühere Innenseite des Würmchens aber dann die äußern sichtbaren Theile der Fliege hervorbringt, welche, sobald diese Umkehrung vor sich ging und sie mit der äußern Luft in Berührung kommen, binnen längstens fünf bis sieben Sekunden zu ihrer vollkommenen Ausbildung gelangen, bei welcher Gelegenheit die Fliege auch ganz vollkommen fertig ist.

[FL 1.18] Sehet, das wäre demnach die Geburt, oder vielmehr die gewiß nicht wenig merkwürdige Entstehung der Fliege, und muß jedem Beobachter wunderbar genug vorkommen. Allein dieses Alles ist dessen ungeachtet noch das am wenigsten Wunderbare bei diesem Thiere. Was da noch folgen wird, in der möglichen Kürze, darüber werdet ihr euch erst groß erstaunen und verwundern, und so lassen wir dieses Merkwürdige an einem nächsten Tage folgen.

[FL 2.3] Sehet, das ist schon etwas Wunderbares, wenn ihr bedenket, daß auf einer aufrechtstehenden polirten Fläche ohne ein klebriges Bindungsmittel nicht einmal das allerleichteste Federflaumchen hängen bleibt, wie demnach der Fliege solches möglich sein kann, ohne Beihilfe eines klebrigen Mittels.

[FL 2.9] Diese Härchen und Spitzchen sind lauter wohltaugliche Elektrizitätssauger, und diese dadurch von der Fliege in sich gesogene Elektrizität strömt dem negativen Theile nach, welcher zugleich auch der anziehende oder zusammenziehende ist, unablässig fort durch die Füßchen in die schon bekannten Glöckchen, wodurch dann diese Theile sehr hungrig nach der positiven Elektrizität werden. Da sich aber diese vorzugsweise an den polirten Flächen aus der Luft ansammelt, so ist dann ja auch ganz natürlich, daß die Fliege auf jeder wie immer gestellten polirten Fläche zum Behufe ihres Gehens haften bleiben muß, indem schon alt bekanntermaßen entgegengesetzte Polaritäten sich immerwährend anziehen.

[FL 2.12] Wenn demnach die Fliege sowohl vermöge ihrer Entstehung als vorzugsweise zufolge ihres Fortbestehens und allerzweckdienlichsten Gebrauches aller ihrer lebensfähigen Bestandtheile und ganz besonders zu Folge ihrer noch bis jetzt ganz unbekannten doppelten Nützlichkeit eine wunderbare, ja großwunderbare Erscheinung von Mir benannt wird, so kann ja das Gehen einer Fliege auf einer polirten Fläche mit beiweitem größerem Rechte ein Wunder genannt werden, — wovon sich jeder Mensch noch täglich überzeugen kann, wenn er je nur einigermaßen diese Erscheinung in seinem Herzen gewürdiget hat, — als der Einsturz der Mauern Jericho's durch den Posaunenschall, unter Anführung Josua's.

[FL 2.13] Denn das Erste geschieht noch tagtäglich zahllosfach vor eueren Augen, während vom Zweiten außer in der Schrift auf der ganzen Erde keine Spur mehr vorhanden ist. Wer demnach von dem wunderbaren Einsturze Jericho's einen Nutzen schöpfen will, der muß dieses Faktum vorerst schwerfällig blindlings glauben, während er an einem Sommertag von mehr denn tausend solchen Großwundern erster Art heimgesucht wird, die ihm alle oft schon überlästig zurufen: „Sieh', du stolzer hochmüthiger Mensch, wie reichlich hat der große heilige Schöpfer lebendige Wunder um dich geschaffen, und lebendig erkennein dir, wie nahe dir der Herr des Lebens ist!“ —

[FL 3.9] Sehet, dieses Thierchen wird durch das Einsaugen des elektrischen Stoffes (auf die schon bekannte Weise) also leicht, daß es gegen die Anziehungskraft der Erde nicht das allergeringste Gewicht mehr äußert, und darum von seinem kleinen Flügelpaare dann gar leicht, in allen Richtungen der Luft, herumgetragen wird.

[FL 3.12] Sehet nun unsere Thierchen an, wie sie da allerfleißigst nach allen möglichen Richtungen hin- und herschießen und saugen in ihrem schnellen Fluge die Mehrheit der bejahenden Elektrizität in sich, allwo ihre Polarität sobald verkehrt wird, indem diese Thierchen das Positive, das da gleich ist dem Sauerstoffe, in sich verzehren, den negativen Theil aber also wieder aushauchen, wie der Mensch den Stickstoff der in sich gesogenen atmosphärischen Luft, sobald die Lunge den Sauerstoff aus derselben zur Ernährung des Blutes aufgenommen hat.

[FL 4.11] Sehet, unsere Fliege hat auch ein Augenpaar, welche für dieses Thierchen so groß sind, daß sie nahe den siebenten Theil ihres ganzen Wesens ausmachen. Ein jedes Auge für sich ist aber nicht etwa ein einzelnes Auge, sondern besteht wieder aus mehr denn tausend kleinen Augen. Diese Augen sind so ordnungsmäßig aneinander gereiht, wie die Zellen eines Bienenstocks, und laufen, ein jedes für sich kegelförmig zugespitzt, endlich alle auf einen gemeinsamen Sehpunkt zusammen und dienen auf diese Weise dem Thierchen als ein für euch unbeschreiblich stark vergrößerndes Mikroskop, mit dessen Hilfe dann dieses Thierchen sogar jedes einzelne der vorerwähnten atomischen Thierchen sehen kann. (In kleine Schrift: Her ihr Optiker, ein unschätzbares neues, uraltes Kunstobjekt.)

[FL 5.7] Dieser Tagesschlaf ist dem natürlichen Schlafe ganz entgegengesetzt, nachdem er nicht von einer Abnahme der positiven Elektrizität herrührt, sondern nur von der Übersättigung derselben, und Übersättigung aus dem Grunde, weil ein weniger regsamer Körper all die aufgenommene Elektrizität nicht mehr aufzuzehren oder vielmehr auszutauschen vermag, in die gerechte Vielheit der negativen.

[FL 5.12] Sehet, diese Thierchen umschwirren und umsumsen und umtrippeln gar sorgfältig einen solchen Tagschläfer, und saugen durch ihre Füße und ihre sonstigen Härchen und Spitzchen die zu viele positive Elektrizität in sich, damit dadurch bei dem Schläfer diese positive Elektrizität, unbeachtet ihres übermäßigen Vorhandenseins, nicht gänzlich die negative unterdrücken, und demzufolge dem schlafenden Menschen sein natürliches Leben auch fort erhalten werden kann.

[FL 5.13] Wenn aber solches nicht der Fall wäre, daß da solche unbeachtete Regulierer dieses natürlichen Lebensstoffes thätigst das möglichste Gleichgewicht aufrecht hielten, so wäre es mit dem natürlichen Leben auch im selben Augenblicke aus, sobald die positive Elektrizität die negative gänzlich besiegt hätte. [In kleiner Schrift: (Hitzschlag? Gefahr bei Fliegenabhaltung.)]

[FL 5.16] Ja, Meine lieben Kindleins, in einer Sonne liegt freilich wohl noch Größeres, denn in einer Fliege. Wer aber Mich erkennen will, der muß zuerst in die kleine Schule gehen, und in dieser den lieben Vater zu erkennen anfangen. Ist er in dieser bestanden, so wird er sicher auch hernach in der größern bestehen, und wird sich freuen über die Maßen, da er daselbst erkennen wird, daß derselbe liebevollste heilige Vater, der selbst die kleine Fliege lenkt und leitet in ihrem Wirkungskreise, dort Sonnen führt durch ungemessene Bahnen, und den erhabensten, mächtigsten und vollkommenen Geistern vorschreibt Gesetze der ewigen Liebe.

[FL 5.17] Sehet, Meine Lieben, solches Alles werdet ihr erst dereinst vollkommen erkennen, und so lasset uns denn wieder zurückkehren in diese engen und bis jetzt noch völlig unbeachteten Wirkungskreise, d. h. lasset uns wieder zurückkehren zu unserer kleinen Fliege, und an derselben noch einen wohlnützlichen Nebenzweck beachten.

[FL 6.1] Ihr werdet sicher schon bemerkt haben, daß die Fliegen sich vorzugsweise gerne an jene Orte setzen, wo es etwas zu naschen gibt, aus welchem Grunde sie auch bei einer Mahlzeit als ungebetene Gäste sehr gerne in großer Menge sich einfinden und daselbst mit großer Begierde über die Speisen und deren Überbleibsel sich hermachen. Ihr werdet auch bemerkt haben, daß sich diese Gäste bei einer Mahlzeit dann um so häufiger einfinden, wenn die Tage recht schwül werden, und die Zimmer, da gespeiset wird, nieder und moderduftend sind.

[FL 6.4] denn sehet, alle Speisen, mit sehr geringer Ausnahme, haben vermöge ihres in sich enthaltenden Zuckerstoffes das Eigenthümliche, daß sie namentlich an einem so recht schwülen Tage aus der verdorbenen Luft allen Stickstoff an sich ziehen; — so da die Speise nur eine kurze Zeit irgend stehen bleibt, so wird diese arge Luft in ihr dadurch sogleich bemerkbar, daß für's erste die Speise leicht in eine Säure übergeht, oder über mancher wird sobald ein Schimmel bemerkt, oder manche ändert ihre Farbe, oder manche wird am Orte, da sie am wenigsten dicht ist, ein matt bläulichtes Aussehen bekommen. Sehet, das sind lauter Wirkungen der verdorbenen Luft; —

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