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Großes Evangelium Johannes

[6.220.9] Es ist schon unser Judentum beinahe mehr ein Heidentum als ein wahres Judentum; wie sieht es dann erst mit den andern Völkern und Menschen aus? Denn dafür kann ja doch, soweit unser Wissen, Denken und Erinnern reicht, kein Mensch etwas, daß er als völlig willenlos in diese wahrlich schlechte und elende Welt geboren worden ist! Ist er aber einmal da, so wird er dann gleich von der Geburt an bis zum Rande des Grabes in einem fort mit allem möglichen geplagt, womit ein Mensch nur geplagt werden kann. Den Beschluß macht dann ein schmerzvoller und bitterer Tod.

[6.220.10] Ja, wenn man das nur so ein wenig richtig bedenkt, so drängt sich einem unwillkürlich die ganz gewichtige Frage auf: Warum bin ich denn ein Mensch? Wer hat mich in dies Jammertal gesetzt, und warum?

[6.220.11] Wenn der Mensch also sein ganzes Elend betrachtet, so ist es ihm doch wahrlich nicht zu verargen, wenn er in der Welt herumzusuchen anfängt, auf daß er ein Plätzchen finde, auf dem er sich sein Los ein wenig erträglicher machen könnte. Nun, nach vielen Mühen und Beschwerden hat er sich endlich ein solches Plätzchen errungen, wo es ihm ein wenig besser und ruhiger für die noch übrigen Lebensaugenblicke gehen könnte, – da kommen dann gleich Propheten und andere Boten voll des Geistes Gottes und verkünden ihm den Zorn Gottes, das Gericht, den Tod und eine Menge andere wahrlich nicht erfreuliche Dinge, und mit dem mühsam errungenen Ruheplätzchen ist's aus und gar.

[6.220.12] Ja, wenn der Mensch von seiner Geburt an schon mit einem Gott einen Vertrag abgeschlossen hätte, unter welchen Bedingungen er auf dieser Welt zu leben hat, dann wäre freilich alles ganz anders! Aber so wird man ganz nackt und blind und beinahe ganz bewußtlos in die Welt hinausgeboren und wird gleich mit allerlei gequält. Und ist man unter allerlei Leiden und Widerwärtigkeiten endlich ein Mann geworden – sage – von einem sogar gesunden Körperbau und könnte dem Leben vielleicht hie und da doch einen vergnügten Tag abzwacken, da regnet es schon von allen Seiten her Heere von Gesetzen aller Art, und mit dem vergnügten Tage ist es aus! Denn habe ich ihn benutzt, dann habe ich mich an einer Menge Gesetze versündigt, die hernach das sehr peinigende Gewissen in die vollste Tätigkeit versetzen; habe ich aber die Gesetze vor Augen gehabt, na, da gab es dann auch keinen vergnügten Tag mehr! Ja, warum ist denn das alles also?

[6.220.13] Ich glaube nun schon, daß du derjenige bist, der uns nun völlig helfen kann; aber was geschieht mit den andern zahllos vielen auf dieser Erde lebenden Menschen? Wer wird denen helfen? Und warum ist uns Juden und den Griechen und Römern nicht früher geholfen worden?“

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