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Die Fliege

Von der Lichtwirtschaft in der Schöpfung, und von der dabei gar wichtigen Mission der Fliege

Fortsetzung am 20. März 1842

[8.1] Damit ihr aber das folgende Großwichtige gründlich verstehet, so wird es noch nöthig sein, auf das bereits Gesagte einen kleinen Rückblick zu machen; d. h. nur auf den positiv polarischen Theil unserer Fliege, wie sie ist, ein Sammelpunkt des Lebens.

[8.2] Werfet einen wohlbeachtenden Blick zur Sonne; wer aus euch kann es wohl ermessen, bis wie weit hinaus von ihr die letzten Strahlen reichen? Gewiß wird das keine unbedeutende Distanz ausmachen; so ihr das Alter der Sonne auf mehr denn hunderttausend Dezillionen Jahre ansetzet, binnen welchem für euch undenkbar langen Zeitraume die Sonne fortwährend ihre Strahlen in den unendlichen Raum hinausgeschickt hat, so zwar, daß diejenigen Strahlen, welche zuerst von ihr ausgingen, noch bis jetzt auf dem schnellen Wege in die weite Unendlichkeit hinaus sind, dafür aber auch noch zahllos mehrere Strahlen zu ihr wieder von den Punkten zurückgekehrt sind, von denen sie aufgefangen wurden, so werdet ihr das voraus Gesagte über die Lebensansammlungspunkte um so sicherer und gründlicher einsehen, da euch die tagtäglich scheinende Sonne überlaut sagt: „Sehet, so lange schon spende ich meine Strahlen in die weite Unendlichkeit hinaus, und dennoch ist mein Licht um nichts schwächer geworden, als es war, vor für euch undenklich langen Zeiten.“

[8.3] Aber ihr werdet hier leicht fragen: Wie wird denn die Sonne diejenigen Strahlen wieder zurückbekommen, welche seit ihrer ersten Entstehungsperiode noch immer im Ausgehen in die unendlichen Raumfernen begriffen sind? —

[8.4] Und Ich sage euch aber, daß solches der Sache so viel als gar nichts schadet; denn mögen sich die Strahlen noch dezillionenmal weiter entfernen, als sie sich schon entfernt haben, so werden sie doch einmal sicher einen Punkt finden, der ihnen den Weg versperren wird, und wird sie nöthigen zum Rückzuge.

[8.5] Aber, möchtet ihr vielleicht sagen: Wie ersetzt sich denn das Sonnenlicht, nachdem vermöge der weiten Reise des Lichtes und zufolge der wenigen sichtbaren Aufhaltungspunkte das ausgegangene Licht sicher nur sehr spärlich zurückkehret? —

[8.6] Allein auch dieses schadet unserer Sache gar nichts, denn dafür, daß die Sonne ihre eigenen ausgeschickten Strahlen nur spärlich zurückbekommt, ist sie aber andererseits selbst ein Sammelpunkt, und nimmt als solcher von mehr denn einer Milliarden Sonnen die Strahlen auf, läßt dieselben in sich intensiv werden, und spendet sie dann wieder in dichter Masse aus!

[8.7] Nun sehet, wenn ihr dieses ein wenig beachtet, so werdet ihr ja doch schon mit den Fingern leicht finden, wie gestaltet von Mir aus, von Unendlichkeit zu Unendlichkeit die Wirtschaftung des Lichtes eingerichtet ist, und daß auf diese Weise auch nicht das allerkleinste Atom in dem endlosen Äther der Unendlichkeit zwecklos schwimmt. —

[8.8] Solches ist für den, Großes zu denken ungewohnten, Geist wohl etwas schwer zu fassen; aber ein schöpferisches Beispiel, das Ich euch noch hinzufügen will, wird euch von der Zurückkehr und dem wirtschaftlichen Austausche der Strahlen sicher für das Verständnis eueres Geistes einen überaus guten Dienst leisten.

[8.9] Und so sehet denn: Allda in den für euere Begriffe freilich wohl sehr weiten Zwischenräumen die Strahlen zweier Sonnen sich begegnen, allda auch werden eben diese ausgehenden Strahlen sich nach und nach selbst zum gegenseitigen Aufnahmspunkte.

[8.10] Ihr fraget jetzt schon, wie und auf welche Weise denn?

[8.11] Diese Frage ist wohl sehr leicht und verständlich zu beantworten, so ihr doch sicher annehmen müsset, daß der ausgehende Strahl, da er in Zeit und Raum enthalten ist, doch sicher etwas, wenn auch noch so unwägbar Subtiles, aber dennoch Materielles ist.

[8.12] Wenn dann solche Strahlen zweier Sonnen sich begegnen, so sind sie auch natürlich als Strahlen der Sonne von gleicher Polarität. — Ihr wißt aber, daß sich gleiche Polaritäten nimmerdar anziehen, sondern stets abstoßen; nun, so ihr nur ein wenig gutes Verständniß im Herzen besitzet, so müßet ihr ja zufolge des bereits Gesagten mit den Händen greifen, daß wenn also sich begegnende Strahlen sich gegenseitig abstoßen, sie sich somit auch selbst gewisserart, wie ihr zu sagen pflegt, zu Heimtreibern dienen.

[8.13] Was geschieht aber, wenn sich die Strahlen mehrerer Sonnen ganz natürlich nothwendigerweise in einem solchen von all' diesen Sonnen nahe gleich fernen Zwischenraume begegnen, so zwar, daß von allen möglich denkbaren Seiten sich die Radien begegnen?

[8.14] Das ist jetzt freilich eine ein wenig etwas andere Frage; um euch aber vor der Hauptsache jedoch nicht so lange aufzuhalten, so sage Ich es euch alsogleich offen hin, was ihr auch bei nur einigermaßen gediegenerem Nachdenken gefunden haben würdet, daß an dieser Stelle sich ein Strahlenkonflikt bildet, und zwar aus dem Grunde, weil auch ein Theil der Strahlen die Linie des andern Theils ganz gerade durchschneidet und sich allda begegnet, welche Kreuzung der Strahlen ihr euch also vorstellen müsset, als so ihr mehrere solche Kreuze also übereinander gelegt hättet, daß da von einem Mittelpunkte eine Menge auslaufender Strahlen ersichtlich würde.

[8.15] Diese durchlaufenden Strahlen neutralisiren nothwendigerweise die Polarität und werden dadurch hinderlich, daß die andern ihnen gerade in die Quere laufenden Strahlen sobald wieder ihren Rückzug antreten möchten. Sonach geschieht hier mit der Länge der Zeiten ein Strahlen- oder für euch noch verständlicher ein Lichtknäuel, welcher mit der Länge der Zeiten solcher Strahlenansammlung eine Art feindunstiger Dichtigkeit bekommt, und somit auch immer schwerer und schwerer wird.

[8.16] Es kommt nun darauf an, da die Sonnen sich ebenfalls gleich den Planeten um einen andern Centralkörper bewegen, die welche Sonne auf ihrem weiten Wege diesem Lichtknäuel näher kommt, und die Folge ist, daß sie auch dann ganz natürlicher Weise eben diesen Knäuel in ihr Gebiet zieht, und ihn somit verspeiset.

[8.17] Da ihr nun dieses wißet, so sage Ich euch, daß dieses die ganz allereigentlichste Entstehungsart der Kometen ist;

[8.18] aber Ich vernehme schon wieder eine Frage in euch, welche also lautet: Ja, wie kommt es denn aber hernach, daß solche Kometen fortbestehen und somit von der Sonne, die sie angezogen hat, mit Nichten gänzlich aufgezehrt werden?

[8.19] Ihr könntet die Antwort zwar schon aus dem Gesagten heraussehen; allein um euch die Mühe des vielen Nachdenkens zu ersparen, sage Ich euch lieber alsogleich, daß der Grund in der vorerwähnten Neutralisierung der Strahlen lieget; denn sehet, durch diese Neutralisierung der Strahlen, oder für euch noch verständlicher gesprochen Abspannung, nehmen die also sich angesammelten Strahlen einen negativen Charakter an, und bilden also schon der Sonne gegenüber einen polarisch entgegengesetzten Punkt, welcher dann, nach dem ewigen Gesetze Meiner Ordnung, schon fortwährend im Stande ist, ihm begegnende positiv polarische Sonnenstrahlen aufzunehmen, sie abzuspannen, und sie also zu gebrauchen für seine eigene Nahrung.

[8.20] Daß ein solcher Komet solches thut, bezeugt euch hinreichend für's Erste sein oft sehr weit gedehnter ihn umgebender Dunstkreis, welcher sich gewöhnlich auf der, der Sonne entgegengesetzten Seite in einen weiten, sogenannten Schweif ausdehnt; was ist aber eigentlich dieser Schweif?

[8.21] Sehet, dieser Schweif ist an und für sich nichts anderes, als eine Verzögerung der von der Sonne auslaufenden Strahlen, welche durch die negative Polarität in ihrem ursprünglichen von der Sonne ausgehenden Wurfschwunge gehemmt werden, und durch den Rücktritt ihres Weges zu dem sie anziehenden Körper als eine überaus zarte Dunstmasse sichtbar werden.

[8.22] Sehet nun, dadurch ist der Sonne zwar ein neuer Kostgänger hinzugewachsen, und wird gar viele Strahlen speisen, bis er zu einer planetarischen Dichtigkeit gelangen wird; hat er aber diese einmal erreicht, so gibt er dann durch seine eigene Centralschwere genöthigt, der Sonne unbeschadet seiner Wesenheit ihre Strahlen zahllosfach zurück; nachdem er bei seiner planetarischen Stellung nicht nur die Strahlen derjenigen Sonne aufnimmt, in deren Gebiete er sich befindet, sondern die Strahlen zahlloser Sonnenkörper, die ihn von allen Seiten umgeben, sauget er in Massen auf, und führt sie dann gewisserart seiner Mutter zu. [In kleiner Schrift: (Siehe auch Jugendgeschichte Kap. 220 – 223)]

[8.23] Nun, das wüßten wir jetzt; aber in euch wird schon wieder eine Frage rege und ihr fraget: „Ja, was wird denn aber unsere kleine Fliege mit dieser Kometenbildung und Sonnenstrahlen-Zurücksendung zu thun bekommen?“

[8.24] Ich aber sage euch darauf: Nur noch eine ganz kleine Geduld, und wir wollen sie dann sogleich hinter dem großen Brausen eines also neuentstandenen Weltkörpers einhersumsen lassen.

[8.25] Bevor wir aber doch solches füglicher Maßen thun können, müssen wir ja nothwendiger Weise einen flüchtigen Blick auf die Strahlen, die da einer Sonne entströmen, selbst werfen, und da ersehen, was denn eigentlich diese einer Sonne entströmenden unwägbaren Lichttheilchen an und für sich sind:

[8.26] Zum Theile wisset ihr solches zwar schon ohnehin, dessen ungeachtet aber wird es der Sache keinen Schaden bringen, so dahier eine kleine Wiederholung geschieht, und so höret denn: Diese ausgehenden Licht-Atome sind auch zugleich, wie ihr schon wisset, die erste Stufe und der Entstehungsgrund der euch schon einmal bekannt gegebenen Lichtthierchen.

[8.27] Sehet nun, diese Ansammlung solcher Strahlen-Atome zu einem späterhin werdenden Planetenknäuel sind auch zugleich Ansammlungen des thierischen Lebens, nämlich in einem solchen Planetenknäuel.

[8.28] Wie äußert sich aber dieses thierische Leben zuerst auf einem solchen neuen Planeten?

[8.29] Das thierische Leben äußert sich da nothwendigerweise zweifach und zwar zuerst in einem negativen Leben, welches da ist das Pflanzenleben; hat dieses Leben einmal die gehörige Sättigung bekommen, und vermag nicht mehr alles vorhandene polarische Leben in sich aufzunehmen, so bildet sich ja natürlicher und notwendiger Weise ein positiv-polarisches Leben aus, und hat zufolge der Übersättigung des negativen Lebens dann eine hinreichende Nahrung für sich.

[8.30] Wie gestaltet aber äußert sich dieses erste positiv-polarische Leben?

[8.31] Nehmet nur ein Mikroskop zur Hand und beschauet entweder irgend einen durch beigemischte Pflanzentheile faulenden Wassertropfen, oder betrachtet selbst den Saft ausgepreßter Pflanzen, und ihr werdet da zu euerer nicht geringen Verwunderung ganze Heere erblicken, wodurch es euch nach dieser Erklärung ohne große Mühe sobald klar wird, wie sich der negative Lebenspol umwendet, und dann übergehet in das positiv-polarische Leben.

[8.32] Sehet nun, Meine lieben Kleinen, so sich nun allda das thierische Leben zu bilden anfängt, so kann es dann auch nicht mehr in eine Stockung übergehen, sondern beginnt seinen Rücktritt allmählig wieder dem Urzentrum alles Lebens zu.

[8.33] Da aber, der ewigen Ordnung zufolge, überall ein Stufengang beobachtet wird, welcher an und für sich nichts Anderes ist, als wie eine stets vollkommenere und größere Dichterwerdung des Lebens, was auch ganz natürlich also hergehet, wie mit den rückkehrenden Strahlen, die auch natürlicherweise stets intensiver werden, je näher sie ihrem ursprünglichen Ausgangspunkte rücken, so ist demnach ja auch natürlich, daß das Leben nicht in dieser Zerstreutheit seinem Ursprunge wieder zueilen kann, sondern sammelt sich stets in immer dichteren Formen, und kehret also wieder seinem ewigen Ursprunge zu. —

[8.34] Welches ist aber demnach die nächste Stufe, in welcher sich dieses erste positiv-polarische Leben konsolidiert?

[8.35] Nun, Meine Lieben, lassen wir unsere Fliege auftreten! Sehet, das ist das erste Thierchen, von welchem ein also neu entstandener Planet bevölkert wird; denn, wie ihr wißet, nimmt dieses Thier noch heutigen Tages solche Nahrung zu sich, durch welche ein trillionfaches Leben in ihr zu einem Leben wird, und so werdet ihr es nun wohl begreifen, warum Ich früher sagte: nur noch eine kleine Geduld, und wir werden unsere Fliege bald hinter dem gewaltigen Rauschen unseres neuen Planetenklumpens einhersumsen hören.

[8.36] Auch werdet ihr das Höhere begreifen, wie die Fliege demnach wird zu einem Sammelpunkt des Lebens.

[8.37] Ich sage euch aber noch hinzu, daß in dieser Betrachtung als Sammelpunkt des Lebens eine einzelne Fliege mehr zählt, als unser ganzer früher gebildeter Planetklumpen; und wenn ihr solches beachtet, so werdet ihr auch einsehen, wie hoch das Leben selbst nur schon in einem ersten Fünkchen über die äußere Materie erhaben ist, und werdet demnach auch einsehen, um wie vieles das Leben eines einzelnen Menschen höher steht als alle Sonnen und Planeten einer ganzen euch bekannten Hülsenglobe. [In kleiner Schrift: ( Siehe in Nr. 22, XII)]

[8.38] Und so ihr dieses begreifet, so wird es euch auch nicht schwer werden, zu begreifen, warum Ich, als das Urleben des Lebens, als Vater und Erlöser, kam zur Erde, und habe da den Menschen Mir zum Kinde gemacht, und ihm einen Weg bereitet zu Meinem Herzen; und endlich werdet ihr auch daraus wieder um ein Tüchtiges mehr begreifen können, warum Ich zu euch sagte: „Die Fliege, die Fliege, die singt euch vom Siege.“

[8.39] Der Sieg ist zwar noch nicht vollkommen da, aber die Nachfolge und die fernere Mittheilung wird euch klärlich ersehen lassen, wie viel des Sieges schon allhier vorhanden ist; und so lasset es für heute wieder gut sein.

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