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Die Fliege

Positiver Schöpfungszweck der Fliege (vom Wesen des Lebens im Allg.)

Fortsetzung am 19. März 1842.

[7.1] Nachdem wir bereits den negativ-polarischen Theil dieses Thierchens haben kennen gelernt, welcher eigentlich der materielle ist, so wollen wir uns nun zu dem positiv-polarischen Theil dieses Thierchens wenden, um allda erst das hauptsächlich Wunderbare mit einigen aufmerksamen Blicken zu erschauen.

[7.2] Wer je eine Fliege gesehen hat, der wird doch unmöglich ihr das Leben abstreiten, und wird vielmehr sagen müssen, dieses Thierchen ist nicht nur lebendig, sondern was sein Leben betrifft, so hat es in naturmäßiger Hinsicht sogar ein vollkommeneres Leben, als so manche Thiere, die sich schon auf einer bei weitem höheren Stufe der Vollkommenheit befinden, ja er wird am Ende noch sagen: Wahrhaftig wahr, so ich meine übrigen Eigenschaften beibehalten könnte, so wäre ich als Mensch der Erste, der mit dem sehr bequem eingerichteten Leben einer Fliege tauschen möchte.

[7.3] Wenn nun ein Mensch solches Zeugnis einem Thierchen geben muß, so wird's da etwa doch nicht eines näheren Beweises von Nöten sein, um daraus erst ersehen zu müssen, daß die Fliege ein vollkommen lebendiges Thierchen ist.

[7.4] Also die Fliege lebt, das wüßten wir bereits; aber wie sie lebt? und warum sie lebt? sehet, Meine lieben Kleinen, das ist eine ganz andere Frage; — damit ihr aber dieses soviel als möglich gründlich begreifen möget, so wird es nothwendig sein, zuvor einen allgemeinen Blick über das Leben selbst zu werfen. —

[7.5] Und so höret denn: das ganz eigentlichst freieste Leben ist nur in Mir, welches Leben aber also beschaffen ist, und in einer also überschwänglich großen Vollkommenheit bestehet, daß es in seiner Sphäre ewig nie kann von einem geschaffenen Wesen ergriffen und erfasset werden; darum es ist ein heiliges Leben, und da es ist ein heiliges Leben, so ist es auch ein ewiges und ein unendliches Leben.

[7.6] Denket euch die ganze Unendlichkeit, oder einen Raum, in dem sich ein Mittelpunkt befindet, von welchem nach allen Seiten endlose Strahlen auslaufen, deren Anfang zwar der Mittelpunkt, aber deren Ende ewig nirgends mehr anzutreffen ist.

[7.7] In diesem Centrum ist alle lebende Kraft der ganzen Unendlichkeit vereinigt, und gehet von diesem Centrum wieder in die ganze Unendlichkeit aus. Damit aber diese lebende Kraft sich nicht zu sehr in das Allerunendlichste zerstreue, und daher in sich selbst schwächer werde, so hat sie sich durch die ganze Endlosigkeit des ewigen Raumes auch endlos viele Lebenssammelpunkte geschaffen, in welchen sich das Leben gewisserart selbst auffängt, und sodann wieder zurück kehrt zu seinem urewigen Centralsitze.

[7.8] Sehet, Meine lieben Kleinen, jetzt habe Ich euch ein gar außerordentlich großes Geheimnis enthüllt; ja, Ich sage euch, ein Geheimnis, welches, so lange die Erde von Menschen bewohnt ist, nur sehr wenigen und selbst dann nur dunkel angedeutet wurde.

[7.9] Aber so ihr dieses Geheimnis ein wenig verstehet, da wird auch in jedem Falle sich die bedeutungsvolle Frage von selbst aufwerfen, welche also lauten wird: Ja, aber warum muß denn solches geschehen? Kann denn Gott je schwächer werden in Seinem Leben?

[7.10] Und Ich sage euch darauf: Solches ist freilich wohl unmöglich, so lange Gott in Sich Selbst allein verbleiben will, und will durchaus keine Geschöpfe in Sich und aus Sich schaffen und formen.

[7.11] Wenn aber dem Bedürfnisse Seiner unendlichen Liebe zufolge Er schon, wenigstens für eure Begriffe, von vielen Ewigkeiten her erschaffen hat Geschöpfe überaus mannigfacher Art, vom vollkommensten Geiste abwärts bis zum allerunbedeutendsten atomischen Thierchen, und allen diesen überaus endlos zahllosen Wesen das Leben gab, jedem nach seiner Art, — saget Mir einmal, durch welches Leben hat denn der Schöpfer diese zahllosen Wesen belebt? belebt sie jetzt noch, und wird sie ewig beleben!?

[7.12] Hat Er irgendwo außer Sich ein Privatleben, mit welchem Er alle diese Wesen belebt, ohne deshalb nötig zu haben, sie aus Seinem eigenen Leben zu beleben!? Ich bin der Meinung, eine solche Annahme möchte etwa doch schon einem Steine undenkbar möglich vorkommen. Da der Schöpfer also kein solches Privatleben hat, so wird es ja etwa doch klar sein, daß Er alle diese geschaffenen Wesen aus Sich belebte und beleben muß.

[7.13] Wenn demnach alle diese Wesen mit ihrem erhaltenen Leben sich ewig fort hinaus vom Centrum weg bewegen würden, so würde dadurch ja doch ganz natürlicher Weise sich die Centralkraft offenbar nach und nach schwächen müssen, obschon sich das Leben zwar als solches ewig nie verlieren könnte, da es ein unendliches Leben ist; aber doch könnte es statt ewig fort stärker, eben also schwächer werden, da es sich dadurch selbst einer unendlichen Teilung aussetzen würde.

[7.14] Damit ihr ein solches Schwächerwerden noch inniger versteht, so mache Ich euch nur auf die endlose Theilbarkeit der Materie selbst aufmerksam; denn ihr könnet euch zufolge dieser Theilung selbst noch in einem Atome endlos viele Theile denken, aber wird das Atom dadurch stärker, so ihr es endlos theilet, oder umgekehrt? Ihr könnet zwar das Atom durch eine ewig fortdauernde Theilung nicht aufheben, aber solches möget ihr auch verstehen, daß sodann das also unendlich getheilte Atom nicht mehr die Stärke haben wird, als es sie gehabt hat vor der Theilung.

[7.15] Wenn ihr nun solches einigermaßen begreifet, so wird sich euch wieder eine Frage aufwerfen, und ihr werdet da sagen: Ja, wenn es also ist, da hätte ja der Schöpfer besser getan, so Er von Ewigkeiten her nichts erschaffen hätte.

[7.16] Allein statt euch hier mit einer Gegenantwort zu kommen, will Ich euch Selbst um etwas, ziemlich vielen Menschen Bekanntes, fragen.

[7.17] Warum werden denn diejenigen Menschen gewöhnlich — wenigstens naturmäßig — stärker, welche schon von Jugend auf durch allerlei schwere Arbeit ihre Kräfte geübt haben? — Das ist Nr. 1.

[7.18] Nr. 2: Warum hängt man denn einem Hufeisen-Magnet nach und nach immer größere Gewichte an?

[7.19] Nr. 3: Durch welche Mittel wird denn ein Mensch zu einem Künstler und Virtuosen in einer oder der andern Kunst? —

[7.20] Gehet euch bei diesen sehr bedeutungsvollen Fragen noch kein Licht auf?

[7.21] Warum wird denn das gehämmerte Metall stärker, und bekommt eine desto größere Spannkraft, wenn es gehämmert wird, als das gleiche ungehämmerte?

[7.22] Warum wird von einem und demselben Baume das Holz fester und unzerstörbarer, je mehr irgend ein Baum den Stürmen ausgesetzt war?

[7.23] Sehet nun, und merket es denn, warum in der weiten Unendlichkeit so endlos viele Lebensaufhaltspunkte gesetzt worden sind. Sehet, höret und verstehet es: damit sich das urewige Leben selbst immer mehr und mehr übe, und sonach an der endlosen Kraft auch ewig und endlos zunehme, und das aus dem Grunde zwar, weil auf diese Weise das von dem Mittelpunkte ausgehende Leben stets vervollkommneter und intensiver in das Centrum zurückkehrt.

[7.24] So wir dieses wissen und verstehen, so werden uns, Meine lieben Kleinen, auch die ersten zwei gestellten Fragen, wie und warum nämlich die Fliege lebt, so gut als wie schon vollkommen beantwortet sein; denn wie sie lebt, beantwortet sich schon aus dem, daß sie ebenfalls ein solch gestellter Sammelpunkt für das ausgehende Leben aus dem Centrum ist, und nimmt daher in sich sammelnd gleichsam das Leben von einer Unzahl Vorgangsthierchen in sich auf.

[7.25] Also die erste Frage muß selbst einem Blinden schon ersichtlich klar sein.

[7.26] Es wird aber demzufolge nun auch sicher Niemanden mehr schwer fallen, schon im Voraus ganz klar zu bestimmen, warum sie lebt, nämlich: damit die Summe ihres Lebens übergehe und somit zurückkehre in ein vollkommeneres und schon intensiveres Leben, und also fort und fort aufwärts bis zur Seele des Menschen, welche da zugleich auch in sich zur Aufnahme des intensivsten Lebens aus Mir (des Geistes) fähig wird, welches Leben sich da mit Mir, wie ihr wißt, durch die Liebe nun wieder vollends zu einer Kraft vereinigen kann.

[7.27] Wenn ihr nun unser Thierchen von diesem Standpunkte aus betrachtet, und nicht ausrufet: „Die Fliege, die Fliege, die singt uns vom Siege,“ so müßt ihr mit dreifacher Blindheit und Taubheit behaftet sein.

[7.28] Doch das bisher Gesagte über dieses Thierchens positive Polarität diene euch nur als eine tüchtige Vorleitung, damit ihr das, was da noch folgen wird, desto gründlicher verstehen möget. Ueberdenket es wohl, die nächste Fortsetzung wird euch erst etwas näher in das Wesen dieses Thierchens hineinsehen lassen, und somit lassen wir es für heute gut sein! —

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